Aufsatz in einer Zeitschrift 
Verwickelt aber tragfähig : europäisch-ethnologische Perspektiven auf ein Stück Stoff: das Babytragetuch
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Timo Heimerdinger, Verwickelt aber tragfahig

sind Abbildungen über im Tuch getragene Kinder in Deutschland über-liefert, wie zwei Motive aus Thüringen belegen. 10 Eine mit» Gruß ausThüringen<< betitelte Bildpostkarte um 1915 verkündet unter dem Mo-tiv eines Tragemantels selbstbewusst» Me bruchen kenn grussoartigenKöngerwoagen, Bi ons wärn de Köng' em Moantel getroagen<<(>> Wirbrauchen keinen großartigen Kinderwagen, bei uns werden die Kinderim Mantel getragen.«), und eine Fotografie aus der Zeit der DDR ausdem Jahr 1963 zeigt drei Frauen, die Kinder im Tuch auf dem Rückentragen. Doch derartige Abbildungen sind Raritäten.

Recht kurz, 40 Jahre alt, ist die Geschichte des Tragetuchs des-halb, weil sie in der heute geläufigen Form ziemlich genau im Jahr 1971beginnt. Frau Erika Hoffmann war mit ihrer Familie in diesem Jahrin das schwäbische Dorf Massenbachhausen im Großraum Stuttgartgezogen( Abb. 1, im Folgejahr 1972). Familie Hoffmann hatte bereitszwei Kinder, jetzt erwarteten die Hoffmanns noch Zwillinge. Tags-über alleine mit vier kleinen Kindern in einem neu gebauten, halbfer-tigen Haus auf einem schwäbischen Dorf, so berichtete es mir ErikaHoffmann im Interview, das war ganz schön anstrengend und unüber-sichtlich. Um die Hände z.B. zum Kochen frei zu bekommen, lieẞsie sich von einem entfernten Verwandten aus Mexiko ein Tragetuchschicken. Angeregt worden war sie dazu durch eine Fotografie( Abb. 2)aus einem Bildband des Jahres 1963, das eine indische Mutter mit zweiKindern zeigt, eines davon im Tragetuch. Frau Hoffmann probierte einwenig herum und hatte rasch den Dreh raus, wie das Tuch mit Kindgebunden werden kann. In Massenbachhausen fiel sie mit Schlaghose,Stirnband und Tragetuch zwar auf, doch hatte sie eine praktische Lö-sung für gewisse Alltagsprobleme gefunden. Aus dieser zunächst reinprivaten Angelegenheit wurde dann rasch mehr. Es erschien zunächst

tifizierbar, die das Tragen von Kindern gegen den Exotismus-» Verdacht«<( s.u.)in Schutz zu nehmen versuchen und eine traditionelle europäische Zuständigkeitfür derartige Kindertransporttechniken reklamieren.

10 Vgl. Redlin( wie Anm. 6), S. 21 und S. 22.

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Am 19. August 2010 hatte ich die Gelegenheit zu einem ausführlichen Gesprächmit Frau Erika Hoffmann und ihrer Tochter Tina am Firmensitz von Didymos inLudwigsburg. Ich danke herzlich für die freundliche Bereitschaft, offen und aus-führlich über die Erfahrungen in den vergangenen 40 Jahren zu berichten! DiesesInterview bildet die Grundlage für die entsprechenden Ausführungen in diesem

Text.

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