318 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVI/ 115, 2012, Heft 3+ 4
trachtlerInnen an, ihnen zukünftig» in allem an die Hand zu gehen<< 79und bemerkte bedeutungsvoll, dass dies» ein wertvolles Versprechen,von dem wir ja bald Gebrauch machen dürften« 80 sei.
1934: Zusammen- Schluss
Nach der Selbstausschaltung des österreichischen Parlamentsim März 1933 und dem Ende der Ersten Republik, nach den Febru-arkämpfen von 1934 und dem Verbot der Sozialdemokratie und derNSDAP bzw. mit der neuen Verfassung vom Mai 1934 wurden dieKarten auch im heimatkulturellen Feld neu gemischt. Dieses wurdevon den klerikal- faschistischen neuen Machthabern als ihnen nütz-liches Propagandamittel erkannt und sollte führend in die autoritäreFreizeitorganisation eingebaut werden. Der nun erfolgende Auf-schwung der Heimatkultur zeitigte unmittelbare Folgen für die Ar-beiter- Trachtenvereine, die 1934 in enorme finanzielle wie politischeBedrängnis geraten waren und tatsächlich die Hilfe von Museum undÖsterreichischer Heimat- Gesellschaft benötigten. Die ideologischenund kulturpolitischen Neustrukturierungsprozesse des Ständestaateswaren in Bezug auf die Arbeiter- und Trachtenvereine besonders be-merkenswert, weil gerade hier viele Personen aus dem seit Jahren auf-gebauten und bewährten Umfeld des Museums für Volkskunde undder Wiener Volksbildung beteiligt waren.
Zuvorderst der Wiener Volksbildungsreferent Karl Lugmayer, derseit 1932 Ausschussrat des Vereines für Volkskunde in Wien 81 und oft-mals gesehener Gast am Museum war. Dieser hatte sich seit seinemStudium im Reichsbund der katholisch deutschen Jugend Österreichsengagiert und galt als» programmatischer Denker der christlichen Ar-beiterbewegung<< 82 der 1920er und 1930er Jahre. Richard Schmitz, dernach der Beseitigung seines sozialdemokratischen Vorgängers 1934
79 Ebd., S. 5.
80 Ebd.
81
82
Vgl. Nikitsch 2006( wie Anm. 41), S. 413.
Herbert Pribyl: Karl Lugmayer als Politiker und Programmatiker. In: Erwin Ba-der( Hg.): Karl Lugmayer und sein Werk. Seine politisch- soziale Bedeutung undAktualität(= Austria: Forschung und Wissenschaft Philosophie, 4), S. 29–58,hier S. 35.