Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde115 (2012) / N.S. 66Puchberger, Magdalena: Urbane Heimatkultur als ideologische und soziale Schnittstelle in der Ersten österreichischen Republik

  
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Urbane Heimatkultur als ideologische und soziale Schnittstelle in der Ersten österreichischen Republik
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316 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVI/ 115, 2012, Heft 3+ 4

Pausen zwischen den Tänzen durch ihr gutes Spiel ländlicher WeisenLangeweile nicht aufkommen ließen.<< 68

Im Jänner 1933 stellte der Bundestanzmeister Kitzmüller fest, dasssich beim Volkstanz und den ihn pflegenden Vereinen trotz Krise,» einbesonderer Aufschwung in der Stadt«< 69 erkennen lasse. Diese großenVeranstaltungen, wie auch die öffentliche Aufführung des» TreffnerLandlers<< auf der» Hohen Wart«<, an der 64 Paare teilnahmen, hättenEinfluss auf die Wahrnehmung Österreichs im Ausland bzw. auf denFremdenverkehr, denn, so der Bundestanzmeister,»[ w] o in aller Weltunser schönes Land bewundert wird, wird nach kurzer Begrüßung si-cher der Wunsch geäußert, etwas zu jodeln oder einen Volkstanz zumBesten zu geben.« 70 Schautänze und öffentliche Präsentationen vonVolkskultur in Tracht wurden auch von den VertreterInnen als ein>> großes propagandistisches Moment« erkannt, das nach innen undaußen mobilisierte und Aufmerksamkeit erregte.

1933 war der Punkt erreicht, an dem beinahe alle, die die Heimat-kultur in Wien vertraten, an die absoluten Grenzen ihrer finanziellenBelastbarkeit gekommen waren. Allgemein klagte Arthur Haberlandtin Der Arbeiter- Trachtler:» Einschränkung der öffentlichen Mittel, dasPublikumsinteresse den Tagesereignissen zugewendet

man kennt

das Lied. Wie soll unser Volk genesen? Wie weiterkommen?«< 72

Haberlandts Ausweg lautete wenig überraschend, dass die Besin-nung des Volkes» auf sich selbst« wieder zu Gemeinschaft und letztlichHeilung führen würde. Angeleitet und inspiriert sollte das Volk, alsovor allem auch die Trachten- und Traditionsvereine, durch einen Besuchim Museum werden bzw. durch die Teilnahme an einer volkskundlich-heimatlichen Veranstaltung, die für Samstag, den 23. September 1933,ab vier Uhr geplant war. Die Veranstaltung stellte eine gemeinsameAnstrengung aller volkskundlich orientierten Gruppen und Vereini-gungen Wiens, auf sich aufmerksam zu machen, dar. So hatten lands-

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Ebd.

H. Kitzmüller: Der Volkstanz. In: Der Arbeiter- Trachtler 1, 11, 1933, S. 1-2, hier,

S. 1.

Ebd.

Stutzer: Die Tracht wird Volkskleid. In: Der Arbeiter- Trachtler 7, 11, 1933,S. 1-2, hier S. 1.

A. Haberlandt: Besuchet das Museum für Volkskunde!« In: Der Arbeiter-Trachtler 7, 11, 1933, S. 4-5, hier S. 5.