Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde115 (2012) / N.S. 66Puchberger, Magdalena: Urbane Heimatkultur als ideologische und soziale Schnittstelle in der Ersten österreichischen Republik

  
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Urbane Heimatkultur als ideologische und soziale Schnittstelle in der Ersten österreichischen Republik
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Magdalena Puchberger, Urbane Heimatkultur als ideologische und soziale Schnittstelle

sie es ausdrückten» die Wiedergeburt überlieferter seelischer Werte[ braucht], um erst so recht den technischen Fortschritt zu vervoll-kommnen.<< 53

Der Bericht über die erste Hauptversammlung vom 23. April1929 gibt Aufschluss über die Funktionäre und die Arbeitsweise derHeimat- Gesellschaft, die die enge Verflechtung mit dem Museumfür Volkskunde, dem Verein für Volkskunde und anderen volksbild-nerischen und heimatpflegerischen Funktionären und Vordenkernoffenbart, mit denen die Vorrangstellung der Heimat- Gesellschaftuntermauert wurde. Manche Namen lassen aufhorchen, etwa wennneben dem Vorstand Robert Mucnjak, dem Schriftführer Fritz Wur-dack und dem Säckelwart Franz Mucnjak als Beiräte die wissenschaft-liche Mitarbeiterin und Bibliothekarin des Museums für Volkskunde,Adelgard Perkmann54 und der Wiener Volkstanzlehrer und-forscherOtto Hief genannt werden. Auch in den Reihen der korrespondieren-den Mitglieder finden sich in volkskundlichen und volksbildnerischenKreisen bekannte Personen wie Arthur Haberlandt, Raimund Zoder,Georg Kotek und Karl Magnus Klier als die wichtigsten Vertreter derVolkslied- und Volkstanzbewegung in Wien, der Kärntner Volkskund-ler Oswin Moro oder der Direktor des bäuerlichen Volksbildungshei-mes in Hubertendorf, Leopold Teufelsbauer.

53 Ebd.

54 Adelgard Perkmann( 1897-1946) ist eine weitere der vielen ambivalenten, heuteschwer einordenbaren Personen am und um das Museum für Volkskunde. Siewurde in Wien in der Jugendbewegung sozialisiert, studierte Klassische Philo-logie und war ab 1924 am Museum tätig. Ab 1927 war sie als wissenschaftlicheMitarbeiterin am Museum für Führungen, Vorträge und Kurse zuständig undorganisierte und kuratierte Ausstellungen etwa in der Wiener Urania. Außerdemwar sie Gründungsmitglied der ab 1932 tätigen Arbeitsgemeinschaft für Volks-kunde an der Universität Wien. Sie war NSDAP- Mitglied bevor sie 1934 zumKatholizismus übertrat und mit austrofaschistischen Zirkeln kooperierte. Nebenschwelenden Kompetenzstreitigkeiten trug diese neue ideologische Ausrichtungzu Unstimmigkeiten mit Direktor Haberlandt, Robert Mucnjak und den» völki-schen<< Vertretern der Volkskunde bei. 1938 wurde sie vom Dienst am Museumsuspendiert, 1939 in den Ruhestand versetzt. Vor ihrer bereits bewilligten Reha-bilitierung 1946 verstarb Perkmann. Vgl. ÖMV, Archiv, Personalakten, MappeAdelgard Perkmann. Zu Perkmann s. auch Herbert Nikitsch: Adelgard Perk-mann eine fachgeschichtliche Notiz. In: Österreichische Zeitschrift für Volks-kunde 102/53, 1999, S. 359–369.

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