Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde115 (2012) / N.S. 66Puchberger, Magdalena: Urbane Heimatkultur als ideologische und soziale Schnittstelle in der Ersten österreichischen Republik

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Urbane Heimatkultur als ideologische und soziale Schnittstelle in der Ersten österreichischen Republik
Einzelbild herunterladen
 
  

310 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVI/ 115, 2012, Heft 3+ 4

Die von ihm federführend gegründete Österreichische Heimat- Ge-sellschaft vereinigte unterschiedliche Intentionen. Sie war zum einenein Geselligkeitsverein, der seine Mitglieder mit Heim( at)-Abendenunterhielt, zum anderen spielte und tanzte man auch auf Veranstal-tungen ähnlicher Vereine auf. Mit Mucnjak hatte die Ö.H.G. einenarbeitswilligen und sendungsbewussten Organisator und Vorstand, derseinen Verein von Anfang an als ersten unter gleichen der Trachten-und Traditionsvereine in Wien und Österreich begriff. Er verstanddie Heimat- Gesellschaft durch die große inhaltliche wie personelleNähe zum>> Haus des deutschen Volkstums«< 51, also dem Museum fürVolkskunde, selbst als maßgebliche Instanz in Sachen Volkskunde undVolkskultur zu positionieren. Die noch nicht universitär verankerteVolkskunde konnte mit Mucnjak und der Heimat- Gesellschaft auf eif-rige Mitstreiter zählen, die sich zeitintensiv und publikumswirksamfür die Volkskunde, für Heimat und Volkstum einsetzten. Bemer-kenswert ist Mucnjaks Darstellung in einem Brief 1938, in welchemer seine bisherige NSDAP- Mitgliedschaft bestätigt haben wollte. Ab-gesehen von der Funktion des Briefes, der den neuen Machthabernseine völkischen Verdienste in der» Systemzeit«<( also im austrofaschis-tischen Ständestaat) anpries, erklärte er seine volkspädagogischen Be-weggründe zur Gründung der Heimat- Gesellschaft. Er hätte sich mitausgewählten Mitstreitern um die» arg vernachlässigte«» Kulturarbeitder Ostmark<< kümmern wollen und versucht» sich von Wien aus fürdie deutsche Volkstumspflege einzusetzen[...], um den Kitsch, der dasBauerntum zu überschwemmen droht, einzudämmen.<< 52

Strategische Allianzen im Namen der Heimat

Die Heimat- Gesellschaft und ihr Organ Heimatland sahen ihreBestimmung darin, den» kostbaren, gemütstiefen, herzinnigen Geistder Vergangenheit weiter[ zu] pflegen«<, um den nationalen und völki-schen Aufgaben der späten 1920er Jahre gewachsen zu sein, die, wie

51 Orthografische Besonderheiten wurden nicht ausgebessert. Schreiben zur Aner-kennung der NS- Mitgliedschaft, Wien, 22.7.1938, BAB, PK: Robert Mucnjak( MF I 150).

52

Ebd.