Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde115 (2012) / N.S. 66Puchberger, Magdalena: Urbane Heimatkultur als ideologische und soziale Schnittstelle in der Ersten österreichischen Republik

  
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Urbane Heimatkultur als ideologische und soziale Schnittstelle in der Ersten österreichischen Republik
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306 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVI/ 115, 2012, Heft 3+ 4

etwa»> D'schneidigen Hauer« aus Wien informierten sich soweit, nurmehr»> ungeschützte«< Werke zu spielen. So mancher Purist der volks-kundlichen Elite oder der jugendbewegten Avantgarde mag den Verei-nen vorgeworfen haben, mit diesen komponierten Musikstücken, diedem Schlager oder volkstümlichen Lied nahestanden, authentisches,>> echtes<< und damit urheberloses Volksliedgut zu verdrängen. Die vonden Arbeitertrachtlern getragene Heimatkultur scheint damit wenigerein Problem gehabt zu haben, was auch daraus ersichtlich ist, dass de-zidiert die unterhaltungsorientierten» Praterunternehmen«<, die sichdurch spezielle Liedauswahl dem Musikschutz entzogen, als Vorbildgenannt wurden. 35

Annäherungen der Lager in der Krise

Obwohl Wien das Zentrum der österreichischen Heimatkulturwar, scheinen die Kreise und Aktivitäten so weit überschaubar ge-blieben zu sein, dass zumindest die führenden Personen unweigerlichaufeinandertrafen. Die finanziellen Nöte, die die Wirtschaftskrise mitsich brachte, trafen alle kulturellen Bereiche hart, Geld und Subventi-onen waren nur schwer aufzutreiben. Deshalb galt es Kräfte und Auf-merksamkeit zu bündeln, wollte man der eigenen Bewegung Präsenz,Bedeutung und letztlich Zuwendungen sichern.

Im November 1928 tauchte erstmals die Österreichische Heimat-Gesellschaft in Der Arbeiter- Trachtler auf, wo Robert Mucnjak, bezeich-nenderweise, in einer über zwei Seiten langen und auffällig platziertenDarstellung für Besuche im Museum für Volkskunde warb, die erspeziell Trachten- und Heimatvereinen nahelegte. Der Vorstand derHeimat- Gesellschaft lud sie ein, das Museum als» Mutterinstitut fürösterreichische Volkskunde«< 37 anzuerkennen und zu unterstützen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt- 1928- beginnen sich die dreiGruppen( wissenschaftlich- forschende Volkskunde, erneuerungs- undanwendungsorientierte Volkskunde und Heimatpflege sowie Tra-

35 Vgl. N.N.: Musikschutz! In: Der Arbeiter- Trachtler 4, 10, 1932, S. 1–4.

36 Robert Mucnjak: Museum für Volkskunde. In: Der Arbeiter- Trachtler 11, 6,1928, S. 5-7, hier S. 6.

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Ebd.