Magdalena Puchberger, Urbane Heimatkultur als ideologische und soziale Schnittstelle
meten sich einer anwendungsorientierten, praktischen Volksbildung.Wie allgemein in der österreichischen Volksbildungsarbeit, deren Zen-trum Wien war, verfolgten dabei die einen die Befreiung und Eman-zipation der arbeitenden Klassen durch Informiertheit und Wissen,während andere auf eine christlich- moralische Wendung zum NeuenMenschen bzw. auf völkisches Erwachen und Bewusstsein drängten.Diese Strömungen lassen sich alle in der Heimatkultur nachweisen,wobei die weltanschauliche Gemengelage so bunt ist, dass sich bei-spielsweise zu dieser Zeit kein eindeutiger Weg( in den Nationalsozi-alismus) ergibt. Ambivalenzen und Vieldeutigkeiten ermöglichten denAkteurInnen einen breiten Interpretations- und Gestaltungsspielraumvon Heimat, Tradition und damit verbundenen gesellschaftlichen Zie-len, die zwischen den Polen volkstümliche Unterhaltung und völkischebzw. nationalpädagogische Mission zu finden waren.
Die hohe Anzahl an Gebirgstrachten- und Traditionserhaltungs-vereinen, die vielen Veranstaltungen und Angebote zeigen, dass Volks-kultur in den späten 1920er und 1930er Jahren in Wien hoch im Kursstand. Vereinsfunktionäre⁹ wie VertreterInnen von Volkskunde undVolksbildung versuchten deshalb das heimatliche Interesse und Be-dürfnis in geregelte Bahnen zu lenken, zu überwachen und zu bewer-ten. Städtische Kulturen und vor allem Massenkulturen standen ihnenin Generalverdacht, das Volk und speziell die Jugend zu verführen undzu demoralisieren. Jene, die» moderne populäre Künste und ihr Pub-likum[...] von Anbeginn an[...] mit Verbrechen und Gewalt, Unzuchtund Jugendgefährdung, Kulturlosigkeit und Verdummung in Verbin-dung gebracht«< 10 hatten, fanden in der Volkskultur, die sie erforschten,sammelten und zur Heimatkultur neu zusammensetzten, ein breitesBetätigungsfeld. Man stellte sich in den Kampf gegen sittlichen Verfallund für die Rückbesinnung und Rückkehr zu wie es genannt wurde>> Volkseigenem<< und wollte über Information, Bildung und Erzie-hung die junge, zumeist urbane Trachten- und Volkstanzbewegungweiterentwickeln und festigen. Die AkteurInnen der Heimatkultur
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Ideologische Vordenker der Bewegung und auch in den Publikationen und Or-ganen sind tatsächlich vorwiegend männlich. Eine geschlechtergerechte Untersu-chung des Vereinslebens bzw. der Funktionen, die in Vereinen und Bewegungenvon Frauen übernommen wurden, kann hier leider( noch) nicht geleistet werden.10 Kaspar Maase: Grenzenloses Vergnügen. Der Aufstieg der Massenkultur 1850-1970. Frankfurt am Main 1997, S. 165.
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