Magdalena Puchberger, Urbane Heimatkultur als ideologische und soziale Schnittstelle
zur Dachorganisation aller österreichischen Traditionsvereine im Rah-men der organisatorischen Umwälzungen, die der Regimewechsel zumautoritären, katholisch- konservativen Austrofaschismus 1933/1934 mitsich brachte und der alle drei Gruppierungen( Traditionsvereine, ange-wandte Volkskunde/ Heimatpflege und wissenschaftliche Volkskunde)vereinte und an der Adresse des Museums für Volkskunde in Wienauch räumlich zusammenführte.
Ausgangspunkt dieses Beitrages sind die am Österreichischen Mu-seum für Volkskunde befindlichen Direktionsakten, die derzeit für dieJahre 1930 bis 1950 aufgearbeitet werden und die mehrfach Hinweiseauf die engen Verbindungen innerhalb des heimatkulturellen Feldes ge-ben. Hauptquelle sind aber die zur Verfügung stehenden Vereinsorganeund Zeitschriften der HauptakteurInnen der Heimatkultur, also dieZeitschrift Der Arbeiter- Trachtler, Organ des Bundes der Arbeiter- GTE.-und Schuhplattlervereine Österreichs, die von 1922 bis 1934 erschien unddie Zeitschrift Heimatland. Monatsschrift für Volksleben und Volkskunstin Österreich der Österreichischen Heimat- Gesellschaft, die 1929/1930und wieder ab Anfang 1934 bis 1938 erschien. Diese belegen nicht nurdie inhaltliche und weltanschauliche Bandbreite von Arbeitertrachtlernoder Mitgliedern der Heimat- Gesellschaft, ihre Hoffnungen und Zielein Bezug auf Traditions- und Trachtenerhaltung, sondern geben auchAufschluss über soziale Netzwerke, den Vereinsalltag und Vereinsfeste– allgemein über die Ausgestaltung der Heimatkultur in der GroßstadtWien.
Durch Heimatkultur zu einer besseren Welt
Die erste Blütezeit der Heimatkultur in Österreich und vor allemin Wien fällt mit einer allgemeinen Krisenstimmung zusammen, diebesonders durch die Weltwirtschaftskrise geprägt ist. Wenn man Kriseals>> dauerhaften Übergangszustand« begreift,» den man zwar eman-zipatorisch wie kompensatorisch als Fortschritt finalisieren kann, der
6 Das Österreichische Museum für Volkskunde ist Forschungsstätte für das FWF-geförderte Forschungsprojekt» Museale Strategien in Zeiten politischer Umbrü-che. Das Österreichische Museum für Volkskunde in den Jahren 1930-1950«<,das von Mag. Birgit Johler und von mir bearbeitet wird.
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