296 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVI/ 115, 2012, Heft 3+ 4
Ausrichtung mit erzieherischem, nationalem bis völkischem Mehrwertverfolgte und letztlich die erwähnten Traditions- und Heimat- Gesel-ligkeitsvereine. Die VertreterInnen dieser Vereine waren zumeistder Arbeiterschaft und dem Kleinbürgertum zuzurechnen, bei ihnenstanden vor allem Unterhaltung und Ablenkung vom Arbeitsalltagbzw. von Arbeitslosigkeit in den 1920er und 30er Jahren im Vorder-grund. Diese» anderen« AkteurInnen eröffnen eine neue Perspektiveauf Volkskunde, auf Volksbildung, Heimatpflege und speziell auf hei-matlich- kulturelles Vereins- und Sozialleben. Neben den arriviertenProponentInnen der groß- und bildungsbürgerlichen Vereinigungenverhalfen gerade sie der städtischen Heimatkultur zum Durchbruchund hatten an ihrer Etablierung und Ausgestaltung teil. Sie bildeten dienamhafte, zahlenmäßig relevante Basis dieser affektiven, atmosphä-risch anheimelnden Kultur des postuliert Eigenen und Authentischen.
Der Beitrag skizziert die Entwicklungen, die sich in den drei Grup-pen vollziehen und sie in Beziehung zu einander setzen. Er beginnt mitder Gründung des» Bundes der Arbeiter- GTE.- und Schuhplattlerver-eine«< 5 1922 und rückt somit die proletarische Trachten- und Traditions-bewegung, ihre Aktivitäten, Ideale und Probleme in den Mittelpunkt.Mit der Schwerpunktverlagerung der Vereine in die Hauptstadt WienEnde der 1920er Jahre gerät auch die Ö.H.G. ins Blickfeld, die vonAnfang an eine zentrale Mittlerrolle im heimatkulturellen Feld ein-nahm und sich eine Führungsposition erkämpfte bzw. selbst gab. Mitden proletarischen Traditionsvereinen und der Ö.H.G. werden zweiwichtige Stränge vorgestellt, die zeigen sollen, dass Heimatkultur so-wohl national( völkisches) als auch sozialistisch( sozialdemokratisches)Gedankengut bediente. Auch wenn politisch- ideologische Differenzendas Feld teilten, werden hier die Gemeinsamkeiten herausgestellt, diemit dem für viele AkteurInnen dramatischen Verlauf der Weltwirt-schaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit an Bedeutung gewannenund neue Zusammenschlüsse und strategische Allianzen erforderten.Der Abschluss des Beitrages behandelt die Umgestaltung der Ö.H.G.
4 Diese Vereine nennen sich je nach ideologischer oder sozialer Ausrichtung unter-schiedlich, prinzipiell sind in diesem Beitrag Vereine( mit) angesprochen, die sichHeimat und Volkstum, einer bestimmten Herkunftsregion, Geselligkeit, Tradi-tions- und Trachtenerhaltung, alpiner Kultur oder Volkstanz bzw. dem Schuh-plattler verschrieben haben.
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>> GTE.<< steht für Gebirgstrachtenerhaltung.