Magdalena Puchberger, Urbane Heimatkultur als ideologische und soziale Schnittstelle
in einem urbanen Feld mit spezifischen Erscheinungs- und Aus-drucksformen, das ich im Folgenden als» Heimatkultur«< bezeichnenmöchte. Diese begreife ich als spezifisch städtische( Freizeit-) Kultur,die selektiv Elemente ländlich- dörflicher Unterhaltungs- und Le-benswelten aufnahm und zu städtischen, massentauglichen Formatenweiterentwickelte. Heimatkultur spannte den Bogen zwischen Stadtund Land, zwischen öffentlich und privat, zwischen Unterhaltungund ideologischer/ politischer Handlungs- und Deutungsanweisungsowie zwischen sozialen Gruppen/ Klassen. Die Heimatkultur warden einen willkommenes Hobby für freie Tage und Stunden, für an-dere jedoch auch die eigentliche Berufung neben dem Arbeitsleben,die sehr viel Zeit und materielle Ressourcen benötigen konnte. DieBandbreite der diese Kultur auszeichnenden Praktiken und Veranstal-tungen war entsprechend den Herangehensweisen, Motivationen undZielsetzungen groß. Wichtiger Bestandteil waren die meist wöchent-lich stattfindenden Vereins- und Heimabende mit Volkstanz( übungen)oder volkskundlich orientierten Vorträgen in den Vereinslokalen undRestaurationen. Bei Vereinsfesten wie Kränzchen oder Gründungsfes-ten wirkten das kollektive Tragen von Tracht, das zuvor einstudierteVorführen von Volkstänzen,-liedern oder-spielen verbindend undstärkten das Gemeinschaftsgefühl ebenso wie sie zum individuellenVergnügen beitrugen. Dabei wirkte und missionierte man nicht nurin den eigenen Reihen sondern versuchte auch in der Stadt sichtbarzu sein. Durch die Teilnahme von einzelnen Mitgliedern oder ganzenVereinen an öffentlichen Jubiläums- Trachtenhochzeiten, Fahnen- undso genannten Kirtabuschenweihen, an Trachtenumzügen oder Volks-tanzvorführungen an prominenten Wiener Orten war diese Kultur inder Stadt präsent, besetzte öffentlichen Raum und warb um Aufmerk-samkeit und neue InteressentInnen und AktivistInnen.
In diesem Beitrag versuche ich das heimatkulturelle Feld zu fas-sen, das sich seit Mitte der 1920er Jahre etablierte und welches grobschematisierend drei Gruppen miteinander verband. Diese wurden inder volkskundlichen Fachgeschichte wie in der Alltags- und Kulturge-schichte bisher weitgehend getrennt voneinander behandelt, obwohl siedoch sowohl inhaltlich als auch organisatorisch eng verknüpft waren.Dazu gehörten zum einen die wissenschaftlich- akademische Volks-kunde, wie sie in Wien vor allem am Museum für Volkskunde be-trieben wurde, die ihr nahestehende( bildungs) bürgerliche Volkskundeund Heimatpflege, die eine anwendungs- und erneuerungsorientierte
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