2000, Heft 3
Literatur der Volkskunde
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seien und definiert als wesentliche Intention seines Buches, die Vielfalt anLebensweisheit und den ,, Erfahrungsschatz", den abendländische Glossar ::: zum Glossareintrag abendländische Gesundheits-lehren enthalten, weiterzugeben. Denn der Gesundheitsbegriff reduzierte sichauf meßbare Größen und Heilung wurde zum rein technischen Vorgang; tradi-tionell gehörten Meditation, Traumdeutung, Entspannungsübungen, ästheti-sche Erholung usw. zu Therapie und Prophylaxe. Schließlich gibt der Verfassernoch seiner Hoffnung auf Versöhnung der Errungenschaften naturwissenschaft-licher Medizin mit der Lebensweisheit[?] ,, jahrtausendealter abendländischer Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischerKulturgeschichte“( S. 317) Ausdruck.
Klaus Bergdolt gelingt es wohl, auf die Vielfalt aufmerksam zu machen,auch wenn er LeserInnen streckenweise einiges abverlangt. Sinnlich anspre-chend ist allein der Umschlag, der in einem dunklen Rot gehalten ist unddas Gemälde ,, Das Bad zu Leuk“( 1597, Hans Bock der Ältere) zeigt.Nikola Langreiter
BREUSS, Renate: Das Maß im Kochen. Mengen- und Maßangaben inKochrezepten von der Antike bis zur Einführung der metrischen Maße im19. Jahrhundert und deren Parallelität zu künstlerischen Gestaltungsprin-zipien. Mit einem Vorwort von Peter Kubelka und s/ w- Fotografien vonFranziska Krammel- Högler. Innsbruck, Haymon- Verlag, 1999. 319 Seiten.
Die Kunsthistorikerin Renate Breuß unternimmt in dieser auf ihrer Disser-tation beruhenden Publikation den Versuch, am Beispiel des Maẞes das,, Kochen als Gegenstandsbereich der Kunstgeschichte zu betrachten"( S. 14). Ziel der Untersuchung ist neben der Erfassung quantitativer Anga-ben in Rezepten von der Antike bis zum 19. Jahrhundert eine Auseinander-setzung mit deren qualitativen Gehalt: ,, Eine gegebene Quantität im Kochenist dann von Interesse und Bedeutung, wenn sie gleichzeitig eine Qualitätausdrückt. Dabei treten die in der Vergangenheit an Maße oder Messungengebundenen Überzeugungen, ein am Menschen orientiertes und nicht vomGegenstand abstrahiertes Messen ebenso wie die den Maßen innewohnen-den Eigenschaften als Träger von Macht und Prestige, zutage. Es geht nebenden in konkreten Zahlen ausgedrückten Quantitäten und den über die Sinnewahrgenommenen Größen auch um die Gestalt und Form der Zutaten, umdie Berücksichtigung eines Maßes, das von der Qualität des Objekteshergeleitet auch einen sozialen Gehalt, der sich hinter der Heterogenität derAngaben verbirgt, zum Vorschein zu bringen“( S. 16 f.). Ein Ausgangspunktder Untersuchung ist die in der einschlägigen Literatur häufig anzutreffendeBehauptung, daß in mittelalterlichen Rezepten jegliche Mengen- und Zeitan-