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Mitteilungen
ÖZV LIV/ 103
möglich zu präsentieren, andererseits gab es die Angst, daß die eigentlicheBotschaft der Verkündigung in dem präsentierten, überaus bunten Gewanduntergehen könnte. Daher hat man immer wieder- nicht zuletzt unter demSalzburger Erzbischof Hieronymus Colloredo- solche Spiele aus der Kir-che verbannt. Das Volk hat aber durch lange Zeit nicht darauf verzichtenwollen. Sie wurden durch die Verbannung gewissermaßen säkularisiert undgehorchten nun nicht mehr den Gestaltungsprinzipien kirchlicher Spiele,auch wenn grundlegende Elemente und Formen desselben erhalten blieben.h) Das Erscheinungsbild der Kleibeife von Matrei wurde seit etwa 1930ganz deutlich von den neuen Larven( Masken) bestimmt. Hier ist der Einflußeines oder weniger Männer bestimmend gewesen. Nunmehr wurde dasTragen von Larven gewissermaßen Vorschrift, dazu sollten es auch nochsolche sein, die ein gewisses Mindestmaß an künstlerischer Qualität undOriginalität aufwiesen. Seit einigen Jahren gibt es jedoch keinen Schnitzermehr, der in gleicher Weise( und gleich wohlfeil) solche Masken anfertigt. Eineneue Entwicklung ist daher unausweichlich und auch bereits feststellbar.
i) Aus einer Veranstaltung junger Burschen ist das Klaubauf- Laufenlängst eine solche aller Altersschichten geworden. Auch Honoratioren desOrtes lassen es sich in der Gegenwart nicht nehmen, wenigstens am letztenAbend des Laufens einige Zeit als Kleibeife mitzumachen. Und daß esimmer wieder Frauen gegeben hat- und gibt-, auch wenn es nur wenigesind, die sich die Maske anlegen, ist bekannt. Zu gewissen Zeiten galt dieBewahrung der Anonymität der Kleibeife als vorrangig, vielleicht eben alsZeichen der ,, Burschenzugehörigkeit“, vielleicht auch angesichts von Rü-geverhalten geistlicher und weltlicher Obrigkeiten, vielleicht auch alsSchutz vor Racheakten, sicher auch als Deckung für die- dem Moralkodexnicht völlig entsprechende- Handlungsweise. Heute ist dies nicht mehr sowichtig. Eine Verschnaufpause führt nicht selten dazu, daß vom Klaubaufdie Larve über den Kopf hinaufgeschoben wird.
j) Die äußeren Umstände( Hauswände, Schneemangel, geparkte Autos)führen dazu, daß nicht nur in den Häusern, sondern auch auf der Straße dieabsolute Spontaneität der Kleibeife gebremst werden muß. Die Bezirks-hauptmannschaft Lienz steht in einem ständigen Kampf mit diesem Brauch-tum Glossar ::: zum Glossareintrag tum- jährliche Aufrufe in den lokalen Zeitungen künden davon ebenso wieimmer wieder auftretende Bemühungen, eine Art ,, Registrierung" der Kleibeifezu erreichen. Dem„, Ordnerwesen“ kommt daher seit einiger Zeit besondereBedeutung zu- damit aber auch dem Nachdenken über das Laufen.
k) Freilich hat auch die enorme Zunahme der Zahl der Kleibeife, die nurzum Teil daraus erklärt werden kann, daß die Läufer aus den Fraktionen( Ortsteilen) auch in den Marktort kommen, obwohl sie hier nach wie vornicht gerne gesehen sind, zu dieser Zunahme der Bedeutung der Ordnerdien-