Library / Self-PublishedÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde24 (1918) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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24 (1918) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

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daß es sich bei der Entstehung des Spiegelzaubers im allgemeinen um AuffallendeErscheinungen in der Natur" handelt. Dem Primitiven Glossary ::: show glossary-entry  Primitiven mag wohl die Wasserfläche, diesein Bild reflektierte, in diesem Sinne imponiert haben. Im Anschlusse daran sind wohlauch die mit Kristallen, glänzenden Steinen und sonstigen spiegelnden Flächen( mensch-lichen Nägeln) verbundenen abergläubischen Gebräuche zu erklären. Auch der von-Andre) geprägte Ausdruck Bildnis raubt Seele"- eine weltweit verbreitete Vorstellung wäre des öfteren heranzuziehen gewesen, wo eine Deutung nach Freudvielleicht allzu kompliziert erscheint. Im ersten Abschnitt Spiegel und Kind" bringt derVerfasser vor allem negative Riten"; das sind Beispiele von Fällen, in denen Kinderdurch Schauen in den Spiegel geschädigt werden können, indem sie etwas verlieren( die Sprache, die Gesundheit, das Leben u. s. w.). Diese Anschauungen finden sich invielen Ländern Europas. Mancherlei auch außereuropäische Vorkommnisse treffen wirunter den positiven Riten" an. Da handelt es sich um Sehen von verborgenen Schätzen,eines gesuchten Diebes u. dgl. Zur Erklärung der positiven Riten und des Abschnittes II Der Spiegel des Sehers" wäre, wie ich glaube, auch Lehman n2) heranzuziehen gewesen.Von diesem Autor erfahren wir in ziemlich überzeugender Weise, daß geeignete Personenbeim Anblick einer glänzenden oder spiegelnden Fläche Visionen haben. Es sind diesSinnestäuschungen, die nach Lehmann aus dem Unterbewußtsein hervorgeholten Vor-stellungen oder Erinnerungen entsprechen. Sie werden dadurch ausgelöst, daß dasIndividuum durch das Kristallsehen und Analoges in einen Halbschlaf oder in einenan einen solchen grenzenden Zustand versetzt wird. Es handelt sich hier um eine Er-scheinung, die der Referent³) Die Verkennung natürlicher Vorgänge" genannt hat. DieseErklärung ist um so befriedigender, wenn man bedenkt, daß, Roheims Ausführungen zufolge,häufig der um Rat Bittende selbst in Gegenwart des Zaubernden in einen Spiegel oderKristall schauen muß. Der ungarische Forscher bringt hier nicht nur Außereuropäisches,sondern verfolgt diese Erscheinung auch durch das Altertum, Mittelalter und die NeuzeitEuropas. Roheim gibt uns ferner eine Uebersicht der verschiedenen benützten Spiegel-formen( mit und ohne Griff, rund oder eckig). Hinsichtlich der in Ungarn gebräuchlichenhiehergehörigen Objekte weist der Verfasser wohl mit Recht auf die Provenienz ausdem Westen hin; frühere Forschung wollte sie mit dem Osten und der Völkerwanderungin Zusammenhang bringen. Mit einer Besprechung des Spiegels im Märchen und alsBestandteil der Tracht der Herrscher schließt die ungemein anregende Abhandlung, diedurch ihre reichen Quellenangaben von einer außerordentlichen Beherrschung der

Literatur zeugt.

Dr. Rudolf Trebitsch.

6. Das Königreich Polen vor dem Kriege( 1815-1914). Zehn Vorträge, gehaltenin Wien im März 1917. Eingeleitet und herausgegeben vom Vorsitzenden der freien Ver-einigung für staatswissenschaftliche Fortbildung Dr. Ludwig Ćwikliński. Wien undLeipzig, Franz Deuticke, 1917.

Eine erschöpfende Darstellung der geographischen, kulturellen und wirtschaftlichenVerhältnisse Polens, das jetzt im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses steht, wirdniemand im knappen Rahmen eines Vortragszyklus erwarten; es sind aber, von kenntnis-reichen und berufenen Vertretern der Wissenschaft dargeboten, sehr belangreiche Beiträgezu einer Gesamtorientierung von Land und Leuten in höchst willkommener Weisevereinigt. Für die volkskundlichen Kreise kommen dabei besonders die gehaltvollen Vor-träge des bekannten Geographen Prof. Dr. L. v. Sawicki Das Land" und desStatistikers Prof. Dr. J. Buzek über die Bevölkerung Polens in Betracht. Auch denAufsatz über Warschau als geistiges Zentrum des Landes" von Prof. Dr. Josef Kallen-bach wird man für volkskundliche Zwecke nützen können.

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1) Richard Andree, Ethnographische Parallelen und Ver-gleiche, Neue Folge, Verlag Veit& Comp. Leipzig 1889. S. 18-20.

Alfred Lehmann, Aberglaube und Zauberei, 2. Auflage. VerlagFerd. Enke, Stuttgart 1908. Kap. Kristallvisionen und Konchylienauditionen, S. 533–538.3) Dr. Rudolf Trebitsch, 1. c. S. 171.