Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde24 (1918) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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24 (1918) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Goldstern.

wohnt werden, so ist sie ganz primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiv ausgeführt und mit einembis zur Erde reichenden einseitigen Firstdach versehen. Dient aberdie Hütte als Dauerwohnung, so wird sie solider gebaut, ist vielgrößer und hat ein Satteldach. Die erste Art der Holzknechtsöldenist bereits von Dr. Prinzinger genau beschrieben worden. ¹) Es seienhier deshalb nur die Beschreibungen der zweiten Art der Holzknecht-hütte gegeben und dieselben kurz besprochen.

Die Hütte ist in rohem Blockbau hergestellt und ganz mit Rindeverkleidet, die an den Seiten und rückwärts mit angenagelten Holz-streifen festgehalten wird. Auch innen ist die Decke mit Rindeüberzogen.

Die Mitte des Raumes nimmt die fast 4 m lange, schmale Feuerstatt( Est") ein. Siebesteht aus einem Holzrahmen im Blockverband, der mit festgestampfter Erde ausgefülltist. In den Herdblock ist für jeden Holzbauer ein zirka 40 cm hoher Eisenständer( Feuergaul") eingeschlagen, in den die langstielige Pfanne eingeklemmt wird. Der Mannsitzt beim Kochen rittlings auf einem Brett(* Esel") das in die Einschnitte des oberenHerd balkens und der festen, zu beiden Seiten des Herdes angebrachten Bänke eingesetztund außer Gebrauch abgehoben wird. Über dem Herd hängt ein Holzgerüst zum Trocknendes Brennholzes, Foierriesen" oder Widasn" genannt. Jeder Holzhauer hält seine be-scheidenen Vorräte an Lebensmitteln in einem kleinen Kästchen( Kochstecken"), das aufder Bank neben dem für ihn reservierten Platz am Herd aufgestellt ist. Parallel demHerd hinter einer niederen Bretterwand befindet sich die mit Moos und Waldgras gefüllteSchlafstätte(, die Bokrat"). Wie Prinzinger meint, soll dieser eigenartige Name im Salz-burgischen durch windische Holz- und Bergarbeiter eingeführt worden sein. 2)

5. Die Volkskunst.

Zum Schlusse sei hier noch einiges über die Volkskunst desLammertales mitgeteilt. Die Hausmalerei ist bereits früher besprochenworden. Die einzelnen Gebrauchsgegenstände sowie die häuslichenWirtschaftsgeräte sind zumeist unverziert. Nur noch die zahlreichenbemalten Kästen und Truhen, die sich fast in jedem Hause vorfinden,legen ein Zeugnis von der ehemaligen volkskünstlerischen Betätigungdieser Gegend ab. Diese Möbelstücke stammen meist aus der Mitteoder dem Anfang des 19. Jahrhundertes, seltener aus dem 18. Jahr-hundert und weisen in der Auswahl der zeichnerischen Motive einegroße Eintönigkeit auf. Fast überall findet sich auf der in vier Feldergeteilten vorderen Kastenwand das in der Volkskunst so beliebteMotiv der dreiteiligen Tulpe, die allein oder mit anderen Blumenvermengt einer Vase entspringt. Ganz oben wird noch häufig Mariamit dem Jesukind dargestellt. Bemalte Betten sind heute sehr seltengeworden, sollen hier aber früher verbreiteter gewesen sein. Indiesem Zusammenhange seien die bereits früher erwähnten kojen-artigen Betten aus der Tennalpe hier näher besprochen.

1) Dr. A. Prinzinger: Eine Holzknechthütte in den Salzburger Alpen. Zeitschriftfür österreichische Volkskunde 1916.

3) Dr. A. Prinzinger a. a. O. S. 150.