Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde24 (1918) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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24 (1918) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Goldstern.

2. Die landwirtschaftlichen Geräte.

Während die Viehzucht im Lammertale die Hauptbeschäftigungbildet, kommt der Ackerbau wegen der höheren Lage nur in zweiterLinie in Betracht. Aus diesem Grunde und auch bei der Abge-schlossenheit dieses Tales konnten sich hier noch bis heute einigeprimitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Wirtschaftsgeräte erhalten. Insbesondere gilt dies von denalten Dreschgeräten, die neben den modernen Dreschmaschinen sichhier weiterhin behauptet haben. Es sind dies der einteilige Dresch-stock, der zweiteilige, mit fest ineinandergefügten Bestandteilen undendlich der auch sonst überall verbreitete Dreschflegel.

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ناز

Fig. 16. Landwirtschaftliche Geräte.

Der einteilige Dresch-stock(, Steckenpengel") istein zirka 2 m langer, nachunten zu stumpf abge-bogener und daselbst etwasverdickter Stock, der ge-wöhnlich aus einem Buchen-,Eschen oder Vogelbeerenasthergestellt wird.( Fig. 16, 1.)Man wählt dazu einen be-reits von Natur gekrümm-ten Ast, der nach Bedarfnoch künstlich gebogen( gebarrt") wird. Manchedieser Pengel sind sorg.fältig bearbeitet und untenzur Beschwerung des auf-schlagenden Teiles mit zweioder drei Eisenringen be-schlagen; andere wiederumhaben ein ganz primitives Glossar ::: zum Glossareintrag  primitivesAussehen, da sie aus einembloß von Zweigen befreiten,noch mit Rinde bedecktenAst bestehen. Der Pengelwird in der Weise gehand-habt, daß man ihn obenmit beiden Händen festhältund mit dem unteren ge-krümmten Teile das Getreideausschlägt. Vor Einführungder Dreschmaschine wurdeder Pengel auch bei denGroßbauern vielfach zum

Ausdreschen des Kornes verwendet. Heutzutage geschieht dies nur mehr hie und da beiden Kleinbauern; sonst dient aber der im Markte Abtenau selbst selten gewordene, inden entlegeneren Ortschaften aber und im oberen Lammertale noch häufig vorkommendeSteckenpengel zum Ausschlagen von Bohnen und Flachs. Ob man derartige Dreschstöckeauch in anderen salzburgischen Gegenden findet, darüber ist mir nichts bekannt.

Was das Verbreitungsgebiet dieses sicherlich recht altertümlichen Gerätes betrifft,so kommt er noch heute in der Umgebung von Rom, in den Abruzzen, in ganz Süditalienund Sizilien sowie auch in der französischen Schweiz vor, Auf deutschem Gebiete begegnet