Ethnographische Chronik aus Österreich.
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herausgerissen, wild über den Boden zerstreut. In anderen Räumen standen offene Kisten,lagen Papiere und Watte und ließen den Versuch erkennen, einzupacken und die Gegen-stände fortzuschaffen, ein Versuch, der in der Flucht der Ereignisse nicht mehr zur Aus-führung kommen konnte.
Aber wie abschreckend das Bild der Verwüstung auch für den ersten Augenblickwar, so gelang es doch bald, die Gegenstände zu sichten und einigermaßen zu überblicken.Zunächst wurde in Erfahrung gebracht, daß noch im Jahre 1914 fünf Kisten nach Üskübund im Jahre 1915 sechzehn weitere Kisten nach Nisch geschafft worden sind. Die erstereSendung enthielt Schmuck und Kirchengeräte aus Edelmetall, die zweite dreizehn voll-ständig bekleidete Figuren und andere Kostümteile. Beide Partien bilden wohl heute einenTeil der bulgarischen Kriegsbeute. Eine Anzahl wertvollerer Objekte hatte der Direktor inseiner Wohnung untergebracht, einiges wurde in abgelegenen Depots und in einem Privat-hause gefunden. Alle diese Gegenstände konnten in das Museum zurückgebracht werden.Um einen Überblick über das noch Vorhandene zu gewinnen, wird es sich empfehlen,die Schauräume in derselben Weise zu durchwandern, wie der Autor des vorgenanntenAufsatzes, und den heutigen Bestand mit seiner Schilderung zu vergleichen.
Zunächst können wir mit Freude konstatieren, daß der reich geschnitzte Kasten ausMostar unversehrt erhalten ist. Im nächsten Raume finden wir die Sammlung heimischerTöpfereiprodukte, etwa 450 Stück, völlig unversehrt. Auch die Sammlung bunt bemalterOstereier ist bis auf wenige zerschlagene Stücke intakt. Die vielen hölzernen und eisernenGeräte für die primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Haus- und Feldwirtschaft dieser Gegenden wurden unberührtvorgefunden, etwa 150 Stück. Alle die bei Schneeweis genannten Gegenstände von der„ tucalo" bis zu der aus einer Krebsschere gebildeten Feldflasche sind noch vorhanden.Wo sie an ihrem ursprünglichen Aufstellungsorte gefunden wurden, ist ihre Etikettierungsorgfältig mit dem Stück verbunden worden. Leider lagen aber viele Stücke verstreutumher, deren zugehörige Aufschriften nicht mehr gefunden werden konnten.
Im II. Zimmer fanden sich die zahlreichen Spinnkunkeln und Musikinstrumentean Ort und Stelle. Hier konnten alle Nummern und Etiketten beibehalten werden. Besondersdie Kunkeln überraschen durch den Reichtum ihrer Schnitzereien und die unendliche Fülleihrer verschiedenen Formen. Der„ Kiridžija“, Lohnkutscher, ist verschwunden und nurmehr sein Pferd vorhanden. Ein kleine Feuerstelle mit allerlei Küchengeräten ist unberührtgeblieben.
Das III. Zimmer hat mehr gelitten. Unter dem Einflusse der durch eingeschlageneFenster hereindringenden Feuchtigkeit sind die verschiedenen Gebäck- und Kuchenprobenvöllig zerstört. Die Modelle des„ Fluchhügels", der Schiffe und Fischgeräte sind vorhanden.Von den vielen Votiv- und Schmuckstücken scheinen viele verschwunden zu sein. Wasdie vielen hundert Kostüme und Kostümteile betrifft, die hier und in den folgenden dreiZimmern ausgestellt waren, so ist es unter den gegenwärtigen Verhältnissen noch nichtmöglich, sie nur einigermaßen zu überblicken. Die ganzen Kostüme, die den Wachsfigurenangezogen waren, wurden natürlich belassen. Aber die vielen hundert Stücke, die wirr amBoden verstreut lagen konnten nur vorläufig zusammengelegt und in Kisten und Vitrinengeschichtet werden, um sie vor weiteren Schäden zu bewahren.
Die von Schneeweis erwähnte Schnittmustersammlung des Schneiders Arsenovićkonnte nicht aufgefunden werden.
In einem Eckzimmer( V.) befindet sich eine Sammlung schöner Gewehre und andererWaffen, die größtenteils aus der Sammlung König Milans stammen dürften.
Eine große Menge serbischer Teppiche, Läufer und dergleichen fand sich durch alleRäume verstreut. Die in genanntem Aufsatze einzeln angeführten Hausmodelle sind alleintakt. Eine interessante Neuerwerbung bilden drei holzgeschnitzte Grabkreuze; sie sindnoch verschnürt und tragen als Aufgabsort den Bahnvermerk Čačak. Zwei sehr schöngeschnitzte Plafondrosetten aus türkischer Zeit gehören zu den künstlerisch wertvollstenStücken der Sammlung. Eine Truhe aus Ragusa, eine andere aus Cattaro und einegeschnitzte Haustüre aus Mostar besitzen ein gewisses Interesse für Österreich, zumal beiletzterem Stück auch eine politische Note hereinschlägt.