Eine rumänische Hänge- und Tragwiege.
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Das hier in Rede stehende Objekt ist in einem rumänischenGebiete Südungarns anzutreffen, und zwar im KomitatKrasso Szöreny, ausschließlich in den Bezirken von Teregowa,Bozowics und Orsova. Die Wiege, welche im Schriftrumänischen» leagăn« heißt, wird in dieser Gegend von der Volksmundart mit derBezeichnung» lyaga« belegt. Das Exemplar, das ich dem K. k. Museumfür österreichische Volkskunde in Wien schenkungsweise überlassenhabe, stammt aus Mehadia, nördlich von Orsova.
Die Birkenrinde, die hier zur Herstellung der Wiege ver-wendet wird, finden wir auch anderwärts vielfach gebraucht. Nament-lich bei den finnischen Stämmen Südostrußlands, denMord winen, Tscheremissen, aber auch bei den UkrainernSüdruẞlands und den österreichischen Ruthenen treffenwir Objekte mannigfaltiger Art an, die aus Birkenrinde hergestelltsind.( Vergl. auch Buschan.¹)
Während in den west- und mitteleuropäischen Kultur.gebieten bei den romanischen und germanischen Völkernim allgemeinen die Schaukel- oder Kufenwiege üblicherscheint, ist die Hänge- und wohl auch die Tragwiegedurch ihre geographische Verbreitung als der herrschende ost-und südeuropäische Wiegentypus charakterisiert. Was zu-nächst das rumänische Volks- und Kulturgebiet betrifft, sowar in der von Rumänen bewohnten südlichen Bukowinanach Elias Weslowski 2) bereits im 12. bis 13. Jahrhundert eineähnliche Wiege üblich, die aus einem Lattenwerk bestand undgleichfalls von der Zimmerdecke herabhing. Auch ein Korb ausWeidenruten sowie eine truhenartige Form war und ist in diesemGebiete noch anzutreffen. Unser Autor meint, daß sich sowohl dieseals auch andere Wiegenarten auf eine primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive, die nichts anderesals ein ausgehöhlter Weidenstamm sei, zurückführen lassen. In diesemFall ist entschieden Vorsicht geboten, denn eine einzige Urformanzunehmen ist wohl gewagt. Die hier für die Wiege verwendetenHolzarten sind Haselnuß, Fichte oder Weide. Die Ornamentikist zumeist eingraviert oder polychromiert, selten durch Brandtechnikerzeugt. Es handelt sich dabei, wie bei unserem Exemplar, haupt-sächlich um geometrische Elemente, Kreuze, Kreise und Halbkreise,aber auch Rosetten, alles in rhythmischer Wiederholung. Von denRumänen Siebenbürgens in den Komitaten Kronstadtund Fogaras erzählen uns Julius Teutsch und Karl Fuchs ³)1) Dr. Georg Buschan, Illustrierte Völkerkunde, S. 354. Erstes bis fünfzehntesTausend. Verlag Strecker und Schröder in Stuttgart.
2) Elias Weslowski, Die Möbel des rumänischen Bauernhauses in der Bukowina.Separatabdruck aus der„ Zeitschrift für österreichische Volkskunde", Wien 1906, I. bisIII. Heft, S. 11.
3) Julius Teutsch und Karl Fuchs, Ethnographische Mitteilungen aus denKomitaten Kronstadt und Fogaras in Siebenbürgen, in den„ Mitteilungen der Anthropo-logischen Gesellschaft in Wien", XXXV. Band 1905, S. 147.