Literatur der österreichischen Volkskunde.
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Besonderes Interesse beanspruchen die merkwürdigen, in Rußland üblichen Gefäßefür„ kwaẞ( saure Milch), Eier, Salz und dergleichen. Diese besitzen zumeist Vogelformenund zeigen bald einen, bald zwei symmetrisch ausgeschnitzte Köpfe. Letztere sind zweifels-ohne mit skandinavischen Schöpfgefäßen der gleichen Art in Beziehung zu bringen; allebeide reichen in ein hohes Altertum zurück und knüpfen wahrscheinlich direkt an prä-historische Stilformen an.
Diesen echten Erzeugnissen bodenständiger Tradition gegenüber sind die Holz-gegenstände, welche in städtischen gewerblichen Betrieben gebraucht werden, deutlichals westländischer Import erkennbar, so die Druckmodel für Zeugdruck, die nur manch-mal in strengere„ byzantinisierende Formen gezwängt wurden, und vor allem die Modelfür Zucker- und Lebzeltenteig, aus welchen genau dieselben schönen Wickelkinder, Hahnen-und Doppeladlerfiguren hervorgehen, wie wir sie noch heute auf unseren Jahrmärktenfeilgeboten sehen.
Auch sonst bat dieser westliche Einfluß die russische Volkskunst um mancheMotive bereichert. Der bekannten Vorliebe Peters des Großen entspringen, wie GrafBobrinsky überzeugend darstellt, wohl die ganz nach holländischer Art eingelegten Möbel,die wir vielerorts als ganz unorganische Einsprenglinge, wenn der Ausdruck erlaubt ist,in der russischen Holzkultur antreffen. Sehr deutlich sind auch die Einwirkungen desBarockstils in der profanen Volkskunst Rußlands zu bemerken, und zwar hauptsächlichan größeren Objekten, wie am Ständerwerk der bäuerlichen Webstühle, zahlreichenFenstersturz verzierungen und vor allem an den Möbeln, den Rückenlehnen der Bänke,den geschnitzten Verzierungen der Kästen u. s. w. Zur Auszier der Möbel dient auchhier vielfach Bemalung, die zweifellos gleichfalls westlichen Quellen entstammt; findenwir doch französische Modepärchen und manche andere Kostümfigur unter den Dar-stellungen, welche Hab und Gut der Bauern in so fremdartigem Milieu verschönern sollen.
Ein interessantes Faktum der Ausgestaltung eines ganz primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven einheimischenBetriebes, auf Grund westlicher Beeinflussung, bildet die Spielwarenindustrie derGouvernements Moskau und Archangelsk. Ursprünglich hat man hier nur ganz ein-fache schablonenhafte Puppenfiguren nach einer seit Urzeiten kaum verbesserten volks-mäßigen Tradition hergestellt; im 18. Jahrhundert setzt nun eine bedeutende Verviel-fältigung der erzeugten Artikel ein und man kann fast für jedes Stück Vorbilder ausBerchtesgaden, Grøden und dem Ammergau, den Hauptzentren der Holzschnitzerei inMitteleuropa, nachweisen.
Es scheint derzeit ganz unmöglich, all die Probleme anzudeuten, die hinter dentausend Einzelheiten des bäuerlichen Besitztums stecken, indem die Beleuchtungskörper,etwa die Holzleuchter, romanische Traditionen bewahren, das Eßgerät, so die Löffel,vorderasiatische Kunstelemente wirksam zeigen. Es lebt eine große und reiche kulturelleGeschichte in den Formen dieser Erzeugnisse, welche nur schrittweise dem sichtendenFleiße des Bearbeiters sich erschließen kann.
Nach einer ganz anderen Richtung als die meisten weltlichen Geräte weisen diekirchlichen Holzschnitzereien, sie fußen in erster Linie auf den von Byzanz ausgebildetenKunstprinzipien und werden auch in ihrer Einseitigkeit durch diese bestimmt; so kenntdie russische Holzschnitzerei plastische, das heißt vollrund aus Holz geschnitzte Dar-stellungen, die in der kirchlichen Kunst unserer Alpenländer eine so bedeutende Rollespielen, fast nicht, eben weil die griechische Kirche sie mit Verbot belegt; um so reichersehen wir die Reliefschnitzerei entwickelt. Kreuz und Heiligenikonen sind in kaum über-sehbarer Fülle vorhanden.
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Aber auch die Hostienbehälter, Betpulte, Kanzeln und Chorschranken zeigen den-selben Stilcharakter, welcher ein Gemenge aus klassischen, hellenistischen, persischen undvorderasiatischen Kunstelementen darstellt, dessen Entwirrung im einzelnen noch durchausnicht gänzlich gelungen ist. Sie bieten in vielen Fällen den Schlüssel für die Herleitung derwieder mehr auf altertümliche Formgebung reduzierten Volkskunstmotive, andererseits stellensie uns selbst auch wieder vor so manches neue und große Problem der Kunstforschungwie namentlich aus einer gleichbetitelten Arbeit des Verfassers hervorgeht, die erst indiesem Jahre erschienen ist.