Library / Self-PublishedÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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20 (1914) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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I. Ungesäuertes,

Schürer v. Waldheim.

täglich oder mehrmals im Jahregebackenes Brot.

Das am weitesten gegen Westen vorgeschobene ungesäuerteFladenbrot findet sich in der Bretagne, wo man es nach Dr. ArturHaberland) aus Buchweizen gänzlich ohne Zusatz von Sauerteig her-stellt. Es war ursprünglich nieder und breit, während es jetzt mehrund mehr in Krapfenform ausgebacken wird. Als Unterlage trat hiebeiursprünglich eine erhitzte runde Eisenplatte in Verwendung.

Für den täglichen Gebrauch werden weiters von den Basken( Basses Pyrénées, Frankreich) Maisfladen aus kaum gesäuertemTeig zubereitet, indem man dieselben entweder an ein rostartigesGestell neben das Herdfeuer anlehnt oder sie in eine senkrechtstehende eiserne Klammer einzwingt, welche drehbar an einem eisernenStiel befestigt ist und solchermaßen es ermöglicht, beide Seiten desFladens abwechselnd dem Feuer auszusetzen. Die in letzterem Gestellbereiteten Fladen besitzen viereckige Form. Die Gestelle heißen:» arthogoritzeko«.

Bei den Basken ist auch ein hochaltertümliches Kultbrot inGebrauch, und zwar speziell in Bermeo, Provinz Guipuzcoa. Es wirdvon den Angehörigen der Verstorbenen an den verschiedenen Gedenk-tagen auf die in der Kirche befindlichen Gräber gelegt und bleibtdort oft ein Jahr oder länger liegen. Die Bereitung erfolgt durchdie Kirchendienerin.³) Das Brot selbst ist ½ cm dick, eine fastdurchscheinende Scheibe aus Weizenmehl und schließt sich seinerBeschaffenheit nach fast gänzlich an das von Benndorf beschriebenean. Seinerzeit dürfte nach Mitteilungen von Dr. R. Trebitsch diesesBrotopfer auf der ganzen spanischen Halbinsel verbreitetgewesen sein, heute wird es, abgesehen von den Basken, nur mehran wenigen Punkten angetroffen.

Petter³) berichtet von den Morlaken, armen Gebirgsbauerndes Festlandes von Dalmatien, daß sie ein schlechtes, aus Moor-hirse und Gerstenmehl zusammengesetztes Brotauf eine ganz primi-tive Glossary ::: show glossary-entry tive Weise erzeugen. Mehl wird mit Wasser vermengt, ein Teigohne Zusatz von Salz geknetet und dieser auf die heiße Herdplattegelegt. Eine Backglocke wird darüber gedeckt, Feuer darauf gelegtund nach kurzer Zeit ist das Brot fertig. Wird es die Pfahlbäuerinzu Dolina einst viel anders gemacht haben? Derselbe Verfasserteilt auch mit, daß dieses Brot vielfach täglich gebacken wird. Imbosnischen Plivatale 4) wird ein Brot» kuruza« genannt, aus Maismehl

1) Dr. Artur Haberlandt, Beiträge zur bretonischen Volkskunde, Wien 1912. Er-gänzungsheft VIII( zu Band XVIII) der Zeitschrift für österreichische Volkskunde.2) Freundliche Mitteilung von Dr. R. Trebitsch.

3) F. Petter, Dalmatien in seinen verschiedenen Beziehungen. Dargestellt von...Gotha 1857.( 2 Teile.) I. S. 194.

4) Dr. E. Schneeweis, Volksnahrung im Plivatal. Freundliche Mitteilung noch vorErscheinen der Arbeit.