Heft 
5 (1970) 1-10
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Jg.5/ 1970

Volkskunde in Österreich

BERICHT

Folge 9

Seit Adam und Eva. Zur Eröffnung der neuen Abteilung" Liebe, Hochzeit undEhe in der österreichischen Volkskunst" im Österreichischen Museum fürVolkskunde.

Am 26. Oktober 1970, am Österreichischen Nationalfeiertag dieses Jahres, indem das Museum 75 Jahre alt geworden ist, in dem Michael Haberlandts 110.Geburtstag zu feiern war, an einem Montag also, der als" Tag der offenen Türder Museen" proklamiert worden war, konnte das Museum in der Laudongasseseine neugestaltete Abteilung eröffnen. Es handelt sich um die Ausnutzung derletzten Raumreserven im Bereich der Schausammlung des Hauses: Nur hier, imAnschluß an die Möbelstuben des Erdgeschosses, liegen einige Räume, die in-folge ihrer bisherigen Feuchtigkeit und Lichtlosigkeit kaum verwertbar erschie-nen. Sie sind nunmehr durch beleuchtete Vitrinen zugänglich gemacht worden,nachdem die Wände trockengelegt, der Fußboden der nichtunterkellerten Räu-me einigermaßen erneuert und alles frisch geputzt worden war. In alten undneuen Schaukasten, die mit den in den gleichen Räumen befindlichen Depot-Untersätzen zusammengebaut werden mußten, sind nunmehr die bisher nie zu-sammenhängend ausgestellten Bestände des Hauses aus dem Bereich der Liebe-und Hochzeits- Volkskunde ausgestellt.

Die Schau beginnt mit einer Vitrine der Adam- und Eva- Motive in der Volks-kunst, setzt mit der Darbietung der geschnittenen, bemalten und beschriebenenLiebesbriefe fort, zu denen verschiedene Minnegaben wie Spanschachteln undHaubenständer gestellt sind. Dann folgen Darstellung der Umstände der Hoch-zeit, des Hochzeitszuges, des Fürziehens. Neben den Bildzeugnissen also vorallem die Vitrinen" Hochzeitslader und Kranzljungfern Glossar ::: zum Glossareintrag  Kranzljungfern" und" Brautgürtel undBrautkrone". Alte Bilder im wesentlichen aus dem frühen 19. Jahrhundert las-sen die funktionelle Geltung mancher dargebotener Objekte einigermaßen er-kennen. Dann folgt der neuerworbene Ybbstaler Hochzeitskasten aus dem frü-hen 19. Jahrhundert mit Szenen aus der Hochzeit eines Schneiderpaares. Eineeigene Vitrine zeigt Majolikakrüge mit Liebes- und Ehedarstellungen, es klingtdas Motiv der Paar- Darstellung an, das dann bei der Darstellung der verschie-denen Minnegaben( Wäschepracker, Mangelbretter usw.) weiter verfolgt wird.Die auf den Minnegaben immer wieder angebrachten Sproẞmotive, von be-scheidenen Blüten bis zu ganzen Bäumchen, finden sich in einer eigenen Vi-trine zusammengestellt: Hochzeits- Tischbäume, alte Darstellungen von Hei-rats- und Familienbäumchen, und dazupassende Stücke wie lackbemalte Mul-den, perlmuttereingelegte Muskatnuẞreiber.

In der Vitrine der" Paardarstellungen" stehen die Rückersdorfer Brautstühle undhängen mit Paaren bemalte Spanschachteln und verwandtes, gegenüber zeigendie Hänger vor allem die Paarbestecke und Besteckpaare, darunter ein bemer-kenswertes Messer des 17. Jahrhunderts mit Adam- und Eva- Griff. Die dane-ben, vor den Fenstern, aufgespannten Hochzeitstischtücher, alle aus Kärnten,zeigen unter anderem die merkwürdigen Hochzeitspaare, wobei, offenbar nachder Hochzeit, bereits das Kind vor der Schürze der Frau mitdargestellt wird.Von hier geht man zu den" Brautschaffeln", wobei die Kollektion sich in dieunbemalten, mit Brandtechnik verzierten oberösterreichischen, und die bemal-

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