60• 4/2025Wir wollen es nicht alleine tun!SCHAUFENSTER7Akademie des VerlernensEin neues Museum auf die Beine zu stellen istgar nicht so einfach. Deswegen setzen wir aufZusammenarbeit und vertiefen seit Anfangdes Jahres die Kooperation mit Gruppen,die gemeinsam mit dem Team des Volkskun-demuseums über Inhalte und Prozesse deszukünftigen Hauses nachdenken wollen.Was im Fachjargon – nahezu unaus-sprechbar – Partizipation heißt und in derMuseumswelt in unterschiedlichen Abstu-fungen praktiziert wird, versuchen wir schonjetzt in unsere Arbeit zu integrieren. Weil wirüberzeugt sind, dass wir nur ein relevantesMuseum werden können, wenn wir zuhören,was unser zukünftiges Publikum beschäftigt.Derzeit tauschen wir uns in Workshopsmit Schüler:innen, Studierenden, Lehrlingensowie mit dem Volkskundemuseum verbun-denen Kollektiven(z.B. MUSMIG) über Inhalteaus, die ab 2027 eine Rolle spielen sollen.Ausgangspunkte sind persönliche Objekteder Beteiligten und die Geschichten, diedamit verbunden sind. Einmal im Museum,werden unscheinbare Dinge – etwa einLederkoffer aus den 1980ern, eine Audiokas-sette aus der Kindheit oder ein ausrangierterMakeup-Stift – zu Objekten von Bedeutung,mit denen sich persönliche und gesellschaft-liche Entwicklungen erzählen lassen. Auchdie bestehende und künftig zu erweiterndeSammlung wird – dank Online Sammlung Plus– in den Workshops betrachtet und disku-tiert. Die Ergebnisse bringen vielfältige Per-spektiven auf Vergangenheit und Gegenwartund werden in der neuen Hauptausstellungim renovierten Gartenpalais Schönborn prä-sent sein. Das macht nicht nur Sinn, sondernerzeugt auch große(Vor-)Freude!Johanna Zechner,KuratorinDie von der Österreichischen Entwick-lungshilfe geförderte Initiative kulturen inbewegung startete bereits 2023 ein Men-toringprogramm unter dem Titel Akademiedes Verlernens von und für Frauen* in derKulturvermittlung. Im Rahmen des Pro-gramms werden nun ab Herbst 2025 imbereits zweiten Projektdurchgang migranti-sche und BIPoC(Black, Indigenous, People ofColour) Frauen mit Kulturvermittlerinnen ausverschiedenen Wiener Kulturinstitutionenvernetzt, darunter aus dem Volkskundemu-seum Wien.Im ersten Durchgang der Akademie imJahr 2024 waren die Vermittlerinnen KatrinPrankl und Katharina Richter-Kovarik imTandem mit Mariya Tsaneva aus Bulgarien.Sie recherchierte u.a. in der Museums-bibliothek zum Ethnologen Felix PhilippKanitz(1829–1904), der intensiv den Balkanbeforschte. Für ihre Abschlussarbeit kreierteTsaneva einen Workshop für die Bulgari-sche Schule in Wien. Als Grundlage dientenihr Archivbilder, Texte und Objekte aus derSammlung des ehemaligen Orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag OrientalischenMuseums(Handelsmuseum) in Wien, derenBestand sich heute im Weltmuseum, im MAK,im Volkskundemuseum und im TechnischenMuseum befindet.Ab Ende September 2025 wird MireilleAlexandra Schechner, Studentin der Afrika-wissenschaften an der Universität Wien, ander Akademie mit dem VolkskundemuseumWien im Tandem teilnehmen. Sie schätzt dieoffene Haltung des Hauses und sieht darinein ideales Lernfeld für eine machtkritische,kollektiv gedachte Vermittlungsarbeit.Katharina Richter Kovarik,Kulturvermittlerin