60• 1/2025 S C H A U FE N S T E R13Von Realfiktion zu RealpolitikZum Abschluss desFWF-Forschungsprojekts„Realfiktion Klimarechnungshof“Schon vergessen? Es war einmal Wahl,Nationalratswahl, September 2024. Wasdies mit dem zwischen 2022 und 2024vom Volkskundemuseum Wien gehostetenForschungsprojekt„Realfiktion Klimarech-nungshof:(PECCK): Ein Preenactmentvon Klimawandelwissen zur Erweiterungwissensanthropologischer Methodologie“zu tun hat, ist ganz einfach: Wir, ein Teamaus Wissensforscher:innen und Kurator:in-nen sowie Teilnehmer:innen der realfikti-ven Kampagne„Klimarechnungshof Jetzt!Klimaschutz braucht Kontrolle“, haben dieVorwahlkampfzeit genutzt, um das Projektvon der Realfiktion in die Realpolitik zubringen.Zwischen Mai und Juni 2024 habenwir drei öffentliche Parteiengesprächeim Blauen Salon des Volkskundemuseumsveranstaltet: mit den NEOS(24.6.), denGrünen(8.7.) und der SPÖ(23.7.); angefragt,aber ohne Terminzusage blieben die ÖVP,FPÖ und KPÖ. Den zwei bis drei klimapoli-tischen Fachleuten aus den Parteien saßenzwei bis drei Teilnehmende der Realfiktion„Klimarechnungshof“ aus dem aktivistischenund wissenschaftlichen Spektrum u. a. vomKlimavolksbegehren und der Klima-Go-vernance Forschung gegenüber. JasminLang(u. a. Fridays for Future), die ebenfallsbereits aktive Teilnehmerin an der realfikti-ven Kampagne„Klimarechnungshof Jetzt!“gewesen war, hat die Gespräche inhaltlichvorbereitet, organisiert und geleitet.In den circa einstündigen Gesprächenstanden klimapolitische Gegenstände undVorhaben, Strategien und offene Fragenzur Debatte. Auf beiden Seiten des Tischswurde hochgradig detailliertes Wissen zulokalen politischen Agenden, wie nationalenund europapolitischen Rahmungen in denRaum gestellt, gegenseitig erklärt, erwidertund auf seine politische Wirksamkeit befragt.Würde, beispielsweise, ein Klimarech-nungshof ex-ante prüfen? Das heißt, würdediese politisch unabhängige Instanz eineklimabezogene Folgeabschätzung einzelnerMaßnahmen und die voraussichtliche Effek-tivität eines klimapolitischen Programmsprüfen? Da im Kontext des Forschungspro-jekts„Realfiktion Klimarechnungshof“ dieseFragen bereits mit Expert:innen aus demUmweltbundesamt und dem Rechnungshofbesprochen wurden und die realfiktive Kam-pagne„Klimarechnungshof Jetzt!“ solchePrüfungen durchgeführt hat, konnten dieKampagnenvertreter:innen fundierte Aussa-gen treffen. Denn ja, das wäre machbar undwünschenswert!Genau diese Situation wollten wir mitder Reihe„Von Realfiktion zu Realpolitik“erreichen. Ein interessierter Wissensaus-tausch, in dem die Aufmerksamkeit poli-tischer Akteur:innen auf die Idee einerunabhängigen Instanz zur Kontrolle vonKlimaschutzmaßnahmen gelenkt wird. ImParteiengespräch sollte nicht in ersterLinie für Stimmen geworben werden – dieVerbreitung der Inhalte wurde auf wenigePosts bei Instagram beschränkt, es gab nurca. 30 Publikumsplätze. Vielmehr solltenpolitische Interessen kennen gelernt undHürden für eine Forderung nach einer un-abhängigen Prüfinstanz von klimapolitischenMaßnahmen eruiert werden: Was könntedie Parteien an einer solchen Institutioninteressieren? Was sind die Hürden, weshalbdiese aus dem erfolgreichen Klimavolks-begehren von 2020 hervorgegangene klima-politische Idee möglicherweise nicht denWeg in die Wahlprogramme findet? Welcheanderen Vorstellungen zur Kontrolle von