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lichen Medizin mit den verschiedensten Namen belegt, da sie in ihren sonstigenSymptomen sehr voneinander abweichen. Es ist allerdings doch nicht unmöglich,daß die Kette selbst schon als Schutzmittel dienen kann, wenn wir nach Wundt¹)berücksichtigen, daß bei manchen Naturvölkern Glossar ::: zum Glossareintrag Naturvölkern um den Leib getragene Bänderdiesem Zwecke dienen und dort die Anhängsel nur sekundär hinzugekommen sind.Gleichwohl ist diese Erklärung in unserem Falle nicht wahrscheinlich,da die große Anzahl der verschiedenen hier verwendeten Amulette wohl primär eineKette behufs Anbringung am Körper erheischt. Einzubeziehen sind sicherlich dieLänge Mariä, die Länge Christi und ähnliches, die in österreichischenLändern sowohl bei Tschechen als auch bei Deutschen und mit geringenAbweichungen in allen katholischen Ländern vorkommen. Kf. kann sich dasWesen dieser Objekte nicht erklären. Es handelt sich hier um ein je 2 m langesund einige Zentimeter breites Band, das, mit Gebeten bedruckt, die angebliche Länge desKörpers Mariä resp. Christi haben soll. Es schützt seinen Besitzer in erster Linievor allerlei Krankheiten, Verleumdungen u. dgl. Es bewahrt auch sein Haus vorGewittern. Wenn eine Frau in Kindesnöten das Band um den Leib wickelt,so wird die Geburt glatt verlaufen 2). Der Gürtel überhaupt hat, wie sich Ploẞund Bartels³) ausdrücken, vielfach mystische Beziehungen zur Schwanger-schaft. Mit dieser Erklärung ist wohl nicht viel gesagt. Wir erfahren hingegenvon den beiden Autoren, daß bereits die Römerinnen im Altertum währendder Schwangerschaft kurz vor der Entbindung Gürtel anlegten. Von da aus magsich die Sitte in ganz Europa verbreitet haben. Ein Gleiches geschieht in China,Japan und bei manchen Indianerstämmen Glossar ::: zum Glossareintrag Indianerstämmen. In Frankreich wurden denSchwangeren von einem Kloster in der Bretagne Gürtel mit einer Inschrift, die dieHilfe der heiligen Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau für die Geburt anrief, geliefert. Ähnliches fand sich auchvoralters in England und Schwaben. Auch die Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeuner an der Donauverwendeten Gürtel in ganz analoger Weise. In der italienischen ProvinzBari soll ein Gürtel benützt werden, der zur Schafschur gedient hat. Wieder er-blicken die beiden Verfasser hierin mystische Beziehungen, die aus dem Heidentum Glossar ::: zum Glossareintrag Heidentumübernommen worden sind. Mich bringt die Verwendung des Bandes resp. Gürtelswährend der Schwangerschaft auf den Gedanken, daß man das Objekt ursprünglichzur Fesselung des Krankheitsdämons um den Leib gebunden hat. Ähn-liches berichtet ja auch Andrée). Nun bemächtigte sich die Kirche diesesBrauches. Sie beließ nur die Form und fügte in vielen Fällen nur eine geheiligtePerson hinzu. Hätte es sich bei der„ Länge Mariä" und" Christi" und ähnlichemnur um die darauf gedruckten Gebete gehandelt, so wäre nie und nimmer dieBandform zu erklären; an ihr sehen wir wohl ein heidnisches Glossar ::: zum Glossareintrag heidnisches Überbleibsel.Die bindende Kraft wurde bis auf die erwähnten Fälle bei der Schwangerschaftbei den Längen Mariä und Christi in den Hintergrund gedrängt. Was dieverschiedenen Anwendungsweisen der„ Länge Mariä" und" Christi" betrifft, sokönnen wir sicherlich wieder das Gesetz der Verallgemeinerung heranziehen.Von Samter 5) erfahren wir ein Analogon des Umgürtens mit der Länge Mariä und1) Wundt, 1. c. S. 227.
2) F. X. Größl,„ Die Länge Mariä". Zeitschr. f. öst. Volksk., III, S. 366. Tschinkel,„ Ein wunder-tätiges Band". Zeitschr. f. öst. Volksk., 1907.
3) Ploß und Bartels, Das Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib in der Natur- und Völkerkunde. Leipzig 1905. 2 Bände,1. Band, S. 852 ff.
4) Richard Andrée, 1. c. S. 3
5) Samter, 1. c. Kap. X.