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Seit Adam und Eva : Liebe, Hochzeit und Ehe in der österreichischen Volkskunst
Entstehung
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Die Formeln und Motive dieser Art von Liebespoesie wiederholensich auch auf den Minnegaben, die in der gleichen Vitrine gezeigtwerden. Es handelt sich vor allem um Spanschachteln, die zur Auf-bewahrung von Hauben bestimmt waren, um Krösenbüchsen, jenegedrechselten und bemalten kleinen Behälter mit den deutlich ange-brachten Liebessinnbildern, und um hölzerne Haubenstöcke, kleine ge-schnitzte und bemalte Ständer, die auch signiert und datiert sein könnenund ganz deutlich als Minnegaben gekennzeichnet erscheinen.

Man kann sich von hier aus nun den Vitrinen mit den Zeugnissendes Hochzeitsbrauches in seinen verschiedenen Formen zu-wenden.

Zwischen den Vitrinen hängen alte Darstellungen des Hochzeits-zuges, zum Teil mit dem Fürziehen", der rituellen Behinderungdes Auszuges der Braut, vor allem aus Tirol 10). Die erste Vitrine hier istden Hochzeitsbittern und Kranzljungfern Glossar ::: zum Glossareintrag  Kranzljungfern" gewidmet,also den rechtlich und brauchmäßig wichtigen Vorbereitern und Beglei-tern des Brautpaares. Man sieht beispielsweise eine ganze Reihe vonHochzeitsbitterstöcken, die nicht, wie man infolge mancher obskurerDarbietungen glauben könnte, rustikale Stecken mit Buschen dran sind,sondern sehr manierliche biedermeierliche Stöcke mit schönen getrie-benen mehr oder minder versilberten Messingknäufen, die beispielsweisedas Adam- und Eva- Motiv aufweisen 11). Nur die Stöcke aus Südtirolweisen, wie sich auch sonst beweisen läßt 12), eine hirtenmäßige Form-gebung mit geschnitzten Tierköpfen auf. Alte Lithographien zeigen, wiebeispielsweise im Salzburgischen die Brautjungfernkranzeln Glossar ::: zum Glossareintrag  Brautjungfernkranzeln nicht nurausgeschaut haben, sondern auch getragen wurden. Die alten Dar-stellungen erweisen übrigens deutlich, daß das klassizistische Brautkleidmit Schleier und Myrthenkranz erst sehr spät in den Volksbrauch Ein-gang gefunden hat. Gleich die nächste Vitrine läßt ersehen, was für diealte Brautausstattung viel wichtiger war: Einmal Brautkranz oderBrautkrone, in den verschiedensten Formen, immer bedeutungsvoll,weil diese Krone der Braut beim Gemeinschaftsmahl am Abend desHochzeitstages ja rituell abgenommen werden mußte 13). Und dann dermeist aus Metallgliedern bestehende Brautgürtel, der vielfach nichtIndividual-, sondern Gemeinschaftseigentum war, und dementsprechendin den Sammlungen selten zu finden ist. Hier stehen drei charakteri-stische, aus Silber getriebene Brautgürtel aus Südtirol drei aus Messing

10) Arthur Haberlandt, Taschenwörterbuch der VolkskundeÖsterreichs, Bd. II, Wien 1959. S. 43 f. Ernst Burgstaller, Überdas Verziehen und Klausemachen" im österreichischen Hochzeits-brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag brauchtum mit besonderer Berücksichtigung Tirols( Beiträge zur Volks-kunde Tirols. Festschrift für Hermann Wopfner. II. Teil(= Schlern-schriften, Bd. 53), Innsbruck 1948. S. 15 ff.- Dieter Dünninger,Wegsperre und Lösung. Formen und Motive eines dörflichen Hochzeits-brauches. Ein Beitrag zur rechtlich- volkskundlichen Brauchtumsfor-schung Glossar ::: zum Glossareintrag schung(= Schriften zur Volksforschung, Bd. 2), Berlin 1967.

11) Josef M. Ritz, Stock und Stab( Jahrbuch 1937 des BayerischenLandesvereins für Heimatschutz, S. 29 ff.).

12) Eugen Fehrle, wie oben Anm. 4, Abb. 10.

13) Otto Bramm, Deutsche Brautkränze und Brautkronen. EinBeitrag zu ihrer Typologie und der Symbolik ihres Schmuckes( Jahrbuchfür historische Volkskunde, Bd. III/ IV, Berlin 1936, S. 163 ff.).

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