zentraler Brennpunkt der kritischen Migrationsforschung sind, Eingangfinden in die beschaulichen, historischen Archive der Volkskunde? Wiekann das Meer, das mit dem Seerecht über einen fundamental anderennomos und eine andere citizenship gegenüber dem eingehegten Territo-rium mit seinen Populationen verfügt, die Europäische Ethnologie ausder stasis ihrer Gewaltgeschichte und ihrer akademisch organisiertenBedauernsschleife heraus führen und helfen, Zeugnis zu legen, wie Kul-turkreistheorien und neue Epistemologien der Feindschaft einem glo-balen Bürgerkrieg Vorschub leisten? Brauchen wir dafür nicht gar eineforensische Ethnologie, die Beweismittel feststellt?
Das Volkskundemuseum Wien hat im Jahr 2017 begonnen, diesen Fra-gen Raum zu geben. Dafür hat es einen Weg eingeschlagen, der nachallen Richtungen hin riskant ist. Nicht ein weiteres„ Weltmuseum", dasMondialität behauptet, die eigene Sammlung und die eigenen Narrativeaber scharf bewacht, dient als Arbeitshypothese. Vielmehr ist es ein,, Museum der Weltlosen", das als Vision für eine vielfältige Beschäfti-gung im Bereich von Sammeln, Bewahren und Zeigen dient.
Einer Definition nach kommt der Begriff Volk von Folgen und beschreibtdie Völkerwanderungen. Die„ Weltlosen“ sind ein solches, stark wach-sendes Volk, doch verfügt es weder über ethnos noch demos. Dafürfehlt ihm neben Zu( sammen) gehörigkeit auch grundlegend der Zugangzu zivilisatorischen Errungenschaften wie dem Recht auf individuellesGlücksstreben.
Dabei sind die„ Weltlosen“, die Ausgegrenzten in der globalen Wirtschaftund Politik, Objekt und Subjekt der Forschung zugleich. EphemereFluchtobjekte, die entlang der Routen des„ Langen Sommer der Migra-tion 2015" eingesammelt wurden, bilden den Grundstock des neuenSammlungsbestandes ,, Museum der Weltlosen". Erstmals haben einigevon ihnen im Rahmen der WIENWOCHE 2018 nun Eingang in die Schau-sammlung des Hauses gefunden. Dort setzen sie sich, durchaus eigen-sinnig, in ein Verhältnis zu den gezeigten Exponaten.
Als Ausstellungs- Guide durch die neue Schausammlung empfiehlt sichdie eigene Einbildungskraft. Oder, wie es einer der Fellows des„ Museumauf der Flucht", das seit 2017 am Haus angesiedelt ist, sagte:„ Hier mussman ein bisschen spekulieren". So schippert etwa in der sogenannten
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