VORWORT MATTHIAS BEITL
VORWORT
Der vorliegende Band ist das Begleitbuch zur vierten Ausstellungin der Reihe ,, Objekte im Fokus". Schreibzeuge, jüdische Dinge,Textilmuster der Emilie Flöge- all diese mehr oder weniger um-fangreichen Teilsammlungen des Wiener Volkskundemuseumswurden in einer räumlichen Konzentration präsentiert- nun sindes Hieb-, Stich- und Schusswaffen, rund achtzig Objekte, die inden ersten 50 Jahren der Sammlungsaktivitäten ohne expliziteSystematik in die Depots gelangten. Es sind sogenannte Rauf-werkzeuge aus dem Innviertel genauso vertreten wie Dolche ausSüdosteuropa und Pulverbehälter aus dem ehemaligen Galizien.Die Objekte oszillieren in ihrer Präsenz zwischen handwerklichinteressant und inspiriert brutal- kurios- in ihrer Gesamtheit also,stellen sie eine Ansammlung dar.
Hinter dem Format ,, Objekte im Fokus" steht die Idee der Samm-lungsaufarbeitung, wobei hinter dem Vorhang der musealen Bühnein allen Sammlungsbereichen viel Arbeit hinsichtlich Konservierung,Nachinventarisierung und Digitalisierung geleistet wird.
Dieser Hinweis ist deswegen wichtig, weil Museen zunächst Archivesind, deren Bestand zum Verständnis gesellschaftlicher Phänomeneund Entwicklungen beiträgt. Welche Dinge ins Museum kommen ist- abgesehen von materiellen Werten- historiographisch betrachtetzunächst institutionsgeschichtlich relevant. Die Institution steht abernicht für sich, sie ist Spiegel ihrer Zeit.
In diesem Sinne ist es notwendig, die Sammlungen aufzuarbeitenund sie genauso einem stringenten Konzept folgend auszubau-en- ganz entgegen den Trends zum Publikumsmuseum, das imGroßen und Ganzen kein Geld mehr für Sammlungen hat. Mitvorhandenen Beständen zu arbeiten ist gut, welche zu schaffen,die in fünfzig oder hundert Jahren ausgestellt werden können,die noch viel größere Aufgabe und vielleicht auch Verpflichtung.
Matthias Beitl
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