de, die angeblich von den einfachen Formen zu den höheren in chro-nologischer Abfolge führe. 26 Eine Kontinuität über lange Zeiträumewurde für bestimmte kulturelle Formen und Erscheinungen ange-nommen, die also von Veränderungen, von Moden, nicht betroffenwären. Diese wären in der Kultur der Landbevölkerung zu entdeckenbeziehungsweise in Teilen dieser Kultur, die es herauszufiltern gelte.Durch sie könne man, so die- letztlich falsche- Vorstellung, aufdie Anfänge der Kultur überhaupt zurückgreifen, also- in diesemVerständnis- auf die eigentliche, echte und unverfälschte Kultur,durch die eine Erneuerung( verstanden als Wiederrückführung) dergegenwärtigen Verhältnisse möglich wäre. Die Förderung dieserGüter wurde als Gegenbewegung zur Modernisierung verstanden,was letztendlich deutlich macht, dass es sich dabei gerade um einElement der- ,, bewußt revolutionären" 27- Moderne handelte.
Zwei weitere für die Moderne typische- und auch für EmilieFlöge persönlich wichtige- Strömungen haken hier ein, nämlich dieEntwicklungen in der bildenden Kunst und die Lebensreformbewe-gung mit ihrer bereits angesprochenen Idee der Reformkleidung.
Die„ primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Kunst“ wurde zu einem wichtigen Impulsge-ber für die Entwicklung der Modernen Kunst, von der sich auch die„ Pioniere der Moderne" 28 Gustav Klimt 29 und Josef Hoffmann und mitihm die Wiener Werkstätte 30 inspirieren ließen und die vor allem fürPaul Gaugin, Wassily Kandinsky und den„ Blauen Reiter" allgemeinerbekannt ist.31 Auch in ihrem Interesse an primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag primitiver Kunst spiegelt sichdie Idee, hier nicht nur neue, sondern unverfälschte und authentische
26 Grieshofer, Franz: Die Wissenschaftvom Menschen. In: Ur- Ethnographie.Auf der Suche nach dem Elementarenin der Kultur. Die Sammlung EugenieGoldstern(= Kataloge des Österreichi-schen Museums für Volkskunde, 85).Wien 2004, S. 21-34, hier S. 21.27 Brückner, wie Anm. 16, S. 114.28 So der Titel einer Ausstellung imBelvedere, Wien, über Gustav Klimt undJosef Hoffmann anlässlich des Klimt-Jahres 2012.
29 vgl. z.B. Klimts Begeisterung überPlastiken aus Zentralafrika, dokumen-tiert u.a. bei Smola, Franz: Zitate undBilder. In: Natter, Tobias G. u.a.( Hg.):Klimt persönlich. Bilder- Briefe- Ein-blicke. Wien 2012, S. 175-303, hierS. 259-263.
30 Bockhorn, Olaf: Volkskunst: Gestern- Heute- Morgen. In: Jahrbuch fürVolkskunde und Museologie, 8. Jg.,
1994, S. 13-30, hier S. 16.
31 Korff, wie Anm. 25, S. 377.
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