die Produkte der Landbevölkerung, die im eigenen Heim für deneigenen Bedarf( nach Alois Riegl als„ Hausfleißẞ“ bezeichnet) oderzum Verkauf( ,, Hausindustrie“) sowie von lokalen Handwerkern undin Manufakturen gefertigt wurden, also Produkte, die bisher von denEliten belächelt, verspottet oder nicht beachtet worden waren.
Was war geschehen? Es war allmählich zu einer positivenNeubewertung dieser Erzeugnisse gekommen, die als eine weitereSpielart des Historismus verstanden werden kann, der aus vergange-nen Stilepochen für die Gegenwart Neues filterte und gestaltete, undzwar als eine Antwort auf die rasche Industrialisierung und die damiteinhergehende Veränderung der Gesellschaft.23 Die Produkte derLandbevölkerung waren es nun, die auf der Basis der„ Entdeckungdes Volkes" durch die Romantiker24 ins Blickfeld rückten. Interessanterschienen sie aufgrund der Eigenschaften, die ihnen zugeschriebenwurden: Sie galten als„ primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag primitiv“, dies aber im positiven Sinne, alsoals einfach, urtümlich und elementar.
Sie sollten hinein, oder besser gesagt, hinunter in tiefereSchichten der Kultur führen, die in diesen rezenten Formen noch un-gebrochen vorhanden und sichtbar wären. Diese Auffassung wurdeschließlich von Edward B. Tylor und Adolf Bastian formuliert: Tylorpostulierte 1871, dass in jeder Kultur Grundmuster, also charakteris-tische Elemente, vorhanden seien, die es anhand von„ Überlebseln"( survivals) herauszufiltern gelte, woraufhin die VölkerpsychologieBastians das Aufspüren von„ Elementargedanken", die allen Kulturenzugrunde lägen, in den Mittelpunkt stellte. 25 Ausgangspunkt für dieseTheorien war die- jedoch falsch verstandene- EvolutionstheorieCharles Darwins, von der eine Stufenleiter der Kultur abgeleitet wur-
23 Brückner, wie Anm. 16.
24 vgl. u.a. Bausinger, Hermann: Vonder Altertumsforschung zur Kulturana-lyse(= Untersuchungen des Ludwig- Uh-land- Instituts der Universität Tübingen,Sonderband). Berlin- Darmstadt- Wien1987, S. 30-52.
25 vgl. Korff, Gottfried: Volkskunst undPrimitivismus. Bemerkungen zu einerkulturellen Wahrnehmungsform um1900. In: Österreichische Zeitschrift fürVolkskunde, XLVIII/ 97, 1994,
S. 373-394, hier S. 378-380.
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