Druckschrift 
Von Dreideln, Mazzes und Beschneidungsmessern : jüdische Dinge im Museum ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 21. Juni 2011 bis 16. Oktober 2011]
Entstehung
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Elend in Wien

Die Zeit unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkrieges war vonMangel geprägt. Besonders betroffen waren Mittellose: Flüchtlinge,kinderreiche Familien, Witwen und Kriegsinvalide. In Wien wurdenMassenquartiere eingerichtet und kleinste Wohnungen beherberg-ten viel zu viele Menschen. Es herrschten Platzmangel, Hunger undKrankheit.

Über die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Wiens lebte in den Bezir-ken Brigittenau und Leopoldstadt. Entgegen der gängigen Vorstel-lung vom» reichen« und» einflussreichen Juden, lebten die meist ausGalizien und der Bukowina stammenden Flüchtlinge unterhalb derArmutsgrenze. Genauso waren nicht alle» Ostjuden« orthodoxe Chas-sidim, sondern lebten zum Teil auch nach liberalen Einstellungen.Zwangsläufig spiegelten sich die allgemeinen Lebensumstände inder praktischen Ausübung des Glaubens wider. Ärmere Schichtenkonnten sich aufwändig gestaltete Kultobjekte nicht leisten, sie ver-fügten zumeist nur über behelfsmäßig hergestellte rituelle Gegen-stände.

Lisa Welzel

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