entzogen, sie waren nicht mehr Teil einer gesamtgesellschaftli-chen Vergangenheit. Nur einmal, im Rahmen der Ausstellung>> Die körperlichen und seelischen Eigenschaften der Juden<< imFrühjahr 1939, wurden neben Objekten anderer Museen auchObjekte aus der>> jüdischen Sammlung« des Volkskundemuse-ums in den Räumen des Naturhistorischen Museums gezeigt.22Die mutwillige Verdrängung der jüdischen Bevölkerung ausdem allgemeinen Bewusstsein hielt den damaligen Direktorund Sohn Michael Haberlandts, Arthur Haberlandt, nicht davonab, trotzdem Judaica für das Museum zu erwerben. So erstander nach dem März 1938 einen Silberbecher, eine als>> Schnei-derschere[...] für die jüdische Beschneidung« inventarisierteSchere, datiert mit 1700, und eine Besamimbüchse 2³ bei einemAntiquitätenhändler in der Nähe des Museums. 1943 kameneine als>> Judenlampe« bezeichnete Lampe mit acht Schalen so-wie zwei Leuchter hinzu, die im Museum als» Sabbathleuchter<<inventarisiert wurden. 24 Diese Gegenstände hatte ein Kriminal-beamter auf dem Wiener Tandlmarkt im 9. Bezirk erstandenund dem Museum für RM 25,- weiter verkauft. Zwar passtendie Objekte durchaus zu den bisherigen Sammlungsbeständen,allerdings ist die Motivation für diese Erwerbungen unklar. 1943war der Höhepunkt der großen Deportationen aus Wien bereitsüberschritten. Nun spezifisch traditionsgebundene Ritualobjekteder als>> Feind<< bezeichneten Bevölkerungsgruppe zu sammeln,könnte heißen, die Dinge für das Museum, respektive für dieNachwelt, zu>> retten«. Genauso gut ist es auch möglich, dass dieObjekte für Propagandazwecke gesammelt wurden. Wir wissenes nicht. Bestimmt waren die Gegenstände verhältnismäßig
22 Bernhard Purin: Beschlagnahmt.Die Sammlung des Wiener JüdischenMuseums nach 1938. Wien: 1995,S. 12.
23 Silberbecher ÖMV 44.068; Sche-re ÖMV 44.064; BesamimbüchseÖMV 44.069.
24 Inventarnummern ÖMV 45.981-45.983.
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