Bulgaria Bulgarien 35
Literatur:
Schmidl, Marianne: Beiträge zurKenntnis der Trachten vonSüdwestbulgarien. In: Festschriftfür Michael Haberlandt,
Hg. v. Verein f. Volkskunde Wien,1925, gleichzeitig abgedruckt in:Wiener Zeitschrift fürösterreichische Volkskunde,Bd. 30, 46-60.
Schmidl, Marianne: VolkskundlicheStudien in der Ebene von Sofia.In: Festschrift der Nationalbiblio-thek in Wien, 1926, 723-736.Haberlandt, Michael: Die Bulgaren.In: Europa. Die indogermanis-chen Völker des Erdteils. Illustri-erte Völkerkunde, hg. von GeorgBuschan, Stuttgart 1926, Bd. II, S.
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EIN SUKMAN AUS BULGARIEN
Das 1895 gegründete ,, Museum für österreichische Volkskunde" verstand sich von sein-er Intention her nie als Nationalmuseum. Es sollte ein„ Völkermuseum" der österreichischenMonarchie sein. Die Gründer waren bestrebt, in der Haupt- und Residenzstadt aus allen Teilender Monarchie Zeugnisse der Volkskultur zusammen zu führen. Darüber hinaus waren siebemüht, auch aus den übrigen Regionen Europas Vergleichssammlungen zu erhalten.
So beauftragte Michael Haberlandt Moche Isakoff in Sofia, Textilien und Schmuck fürdas Museum zu erwerben. Die Wiener Ethnologin Marianne Schmidl, Bibliothekarin an derNationalbibliothek und Mitglied des Vereins für Volkskunde, führte 1924 volkskundliche Stu-dien in der Ebene von Sofia bei den Schopen durch und zeigte sich, wie sie in einem Briefbetont, begeistert über die reichen Bestände im ethnographischen Museum von Sofia. Als Er-gebnis ihrer Untersuchungen verfasste sie zwei wissenschaftliche Beiträge über die Schopen.Außerdem brachte sie für das Museum eine Kollektion von Alltagsgegenständen nach Wienmit, darunter niedere Schemel und einen runden gedrechselten Tisch, die damals noch allge-mein in der Umgebung von Sofia verwendet wurden. Nicht zuletzt ihre Arbeiten dientenMichael Haberlandt als Grundlage für seinen Beitrag über die Bulgaren, den er in dem Band,, Europa und seine Randgebiete", herausgegeben von Georg Buschan, 1926 veröffentlichte.
Auch nach 1945 gab es regen wissenschaftlichen Austausch mit Sofia, wie die zahlrei-chen, mit persönlicher Widmung versehenen Publikationen von Christo Vakarelski in der Bib-liothek des Volkskundemuseums in Wien beweisen. Schließlich sei noch an die Ausstellungendes Ethnographischen Instituts mit Museum der Bulgarischen Akademie der Wissenschaftenerinnert und an den österreichisch- bulgarischen Studientag 1999 in Kittsee, der im Rahmender Ausstellung„ Zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren. HistorischeKalenderbräuche aus Bulgarien" abgehalten wurde.
Der für die Ausstellung in Sibiu als bulgarisches Objekt ausgewählte„ Sukman" wurde1980 von einer Kostümkundlerin in Wien erworben und 1992 an das Volkskundemuseum inWien verkauft. An Hand der Vergleichsliteratur lässt er sich dem Kreis Stara Zagora zuordnen.Dieses in aufwendiger Handarbeit hergestellte Stück einer Frauentracht soll unterstreichen,dass das Volkskundemuseum in Wien weiterhin bemüht ist, seine bulgarische Sammlung zuergänzen.