Druckschrift 
Cifraszűr : vom alltäglichen Kleidungsstück zum nationalen Symbol ; Katalog zur Jahresausstellung 2003 des Ethnographischen Museums Budapest im Ethnographischen Museum Schloss Kittsee vom 30. März bis 2. November 2003 = Hirtenmantel
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Europa seit dem Mittelalter bekannt; diese Form des Mantels hatte unter den Hirten des Balkansund Rumäniens am längsten Bestand. Im 20. Jahrhundert ist diese Art des Mantels nur mehr injenen ungarischen Gebieten zu finden, die ständig mit Rumänien in Verbindung standen( RegionMezőség/ Rumänien).

Ungarischer Mantel aus Szűrtuch, kankó

Kórógy( Korog- Kroatien), Mitte 19. Jahrhundert

Szűrtuch, Filzapplikationen, Wollfaden, L: 86,5 cm, Arm: 51 cm

aus der Sammlung Alice Gáborján, 1972.

Ethnographisches Museum Budapest Inv.-Nr. 72.9.1

Wurde Mitte des 19. Jahrhunderts hergestellt, sein letzter Besitzer trug ihn bis 1944. FestlicherMännermantel, einige Elemente seines Schnittes( z.B.: hervorstehender Aufschlag an der Vor-derseite) sind ausgesprochen altertümlich.

Ungarischer Mantel aus Szűrtuch, condra

Torockó( Rimetea- Rumänien), zweite Hälfte 19. Jahrhundert, L: 81 cm, Arm: 58 cm, Schulter:62 cm

angekauft von Dr. Györgyné Nagy, 1972.

Ethnographisches Museum Budapest Inv.-Nr. 64.128.18

In den meisten Regionen Siebenbürgens setze sich der Cifraszűr zwar nicht durch, das Szűrtuchwar jedoch ein wichtiges Ausgangsmaterial für lokal stark variierende Mäntel und Jacken. Dercondra wurde von Burschen und Männern am Sonntag und an Feiertagen getragen. Er wurde nurum die Schultern gelegt und nie angezogen. Er war eines der wichtigsten Stücke der Hochzeitsklei-dung, die Männer wurden in ihrem condra meist auch begraben.

Huzulen- Mantel aus Szűrtuch, serdak

Tiszabogdány( Bogdan- Ukraine), zweite Hälfte 19. Jahrhundert, L: 66 cm, Schulter: 60 cmaus der Sammlung Hiador Sztripszky, 1911.

Ethnographisches Museum Budapest Inv.-Nr. 88576

Im Kreise der Huzulen von Máramaros war das Szűrtuch am Ende des 19. Jahrhunderts und amAnfang des 20. Jahrhundert das wichtigste Ausgangsmaterial für die Winterkleidung von Männernund Frauen. Aus ihm wurden nicht nur Mäntel gefertigt, sondern auch Hosen und Fußlappen fürBundschuhe.

Schokazen- Mantel aus Szűrtuch, surka

Mohács, Komitat Baranya, Anfang 20. Jahrhundert

Szűrtuch, Samt, Wollfaden, Plattstich, Stielstich, L: 89 cm, Schulter: 63 cm, Arm: 49 cm

angekauft vom Händler János Kun Gazda, 1932.

Ethnographisches Museum Budapest Inv.-Nr. 127296

Der surka ist ein Mantel der Schokazen( katholische Südslawen), der von Frauen zu festlichenAnlässen und beim Kirchgang getragen wurde. Eine Variante mit schwarzen Knöpfen diente alsBrautmantel. In den Jahren von 1870 bis 1920 war er besonders modern. Er wurde von Meisternaus Mohäcs und Németbóly hergestellt und auf Märkten verkauft. Die zerschlissenen Mäntel wurdenim Alltag als Regenmäntel getragen. In dieser Region war weiters zu beobachten, dass dieÜberkleidung aus Szűrtuch mit der Verbreitung des feineren gewalkten Tuches in der Männermode,in erster Linie in der Festtagskleidung verschwanden. In der Frauenkleidung blieben die Kleidungs-stücke aus dem gröberen Szűrtuch noch viele Jahrzehnte erhalten.

Slowakischer Mantel aus Szűrtuch

Léva( Levice- Slowakei), 1872.

Szűrtuch, Wollfaden, Plattstich, Stielstich, Applikationen aus Wollstoff, L: 57 cm, Arm: 54,5 cm,Schulter: 60 cm

aus dem Museum für Kunstgewerbe übernommen, 1898.Ethnographisches Museum Budapest Inv.-Nr. 17390

Auch in der Kleidung der Slowaken ist charakteristisch, dass das zu Beginn des 19. Jahrhundertsnoch allgemein verbreitete Szűrtuch zugunsten von feinerem gewalktem Tuch an Bedeutung verlor.Ähnlich wie in den ungarischen Gebieten blieben die Kleidungsstücke aus Szűrtuch unter den Hirtenam längsten erhalten. Für die Weltausstellung in Wien gefertigtes Stück.

38