Blumenschmuck sind auch figurale und naturalistische Elemente zu finden wie z.B.Szenen aus dem Alltagsleben oder patriotische Sprüche. Neben der Variierbarkeit derMotive spielt auch die Wahl der Farben eine sehr wichtige Rolle. In der klassischenSzűr- Stickerei sind die Blumen rot( rötlich- braun) und die Blätter grün, wodurch sie sichdeutlich von der weißen Oberfläche abheben. Diese symbolische Verwendung derungarischen Nationalfarben rot, grün und weiß verweist auf den Zusammenhang derEntstehung des Cifraszűr und dessen Mode mit den nationalen Bestrebungen derUngarn. Weitere Farben( blau, gelb, lila, rosarot) spielen nur eine ergänzende Rolle, dieKonturen der Muster sind schwarz. Durch den Einfluss der bürgerlichen Mode werdendie Stickereien gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer farbloser, beinahe zu Pastell-tönen, bis die Mäntel schließlich nur mehr einfärbig bestickt werden. Ab den 1880erJahren, mit dem Siegeszug der Nähmaschine, werden Szűr auch mit Applikationen ausdünnerem Posztó oder Filz verziert. Diese Musterformen waren in erster Linie imsüdöstlichen Teil der großen Tiefebene, im Einflussbereich der Biharer Szűrschneidervon Bedeutung.
Die Cifraszűr wurden auf Märkten von den Szűrschneidern aus den verschiedenstenRegionen Ungarns selbst verkauft. Besonders zahlreich erschienen die Schneider aufden Märkten in jenen Regionen, wo der Cifraszűr besonders beliebt war und man miteinem entsprechenden Absatz rechnen konnte( z.B. in Mezőkövesd und Umgebung).
Die Stellung des Cifraszűr in der bäuerlichen Oberbekleidung
Der ursprünglich als Arbeitskleidung verwendete, nicht verzierte Szűr wurde ab demEnde des 18. Jahrhunderts, v.a. aber im 19. Jahrhundert durch gesellschaftliche Ver-änderungen immer prachtvoller. Aus ihm entwickelte sich der fast überall im ungarischenSprachgebiet verbreitete Cifraszűr. Unter den Ungarischsprachigen und den mit ihnenlebenden Volksgruppen entstanden unzählige geschmückte Varianten der Szűrposztó-Mäntel, die zu Hause oder von Spezialisten vor Ort, also nicht im Rahmen von Zünftenangefertigt wurden. Reich verzierte Mäntel wie der Kankó oder die Condra sind nicht nurwegen ihres Ausgangsmaterials mit dem Cifraszűr in Zusammenhang zu bringen. Derrumänischen Szűrujjas aus Csucsa wird ebenfalls durch einen rechteckige Kragen, einehervorstehende Vorderseite und verwandte Elemente im Schnitt charakterisiert. Der inden siebenbürgisch- sächsischen Gemeinden Stolzenburg und Kleinscheuern getrageneMantel für den Kirchenbesuch ist nicht nur in der Verzierung, sondern auch im Schnittdem Cifraszűr sehr ähnlich. Dass man auch dieses Stück nicht anzog, sondern sich nurum die Schultern legte, ist aus der Länge der Ärmeln ersichtlich, die bis zum unterenRand des Mantels reichen. Beim slowakischen Szűr aus Léva sind aufgrund derVerzierung der Ärmel und des Motivschatzes der Stickereien Parallelen zum Cifraszűroffensichtlich. Der Cifraszűr war jedoch nicht überall das einzige Festtagsgewand. Im19. Jahrhundert waren in Transdanubien neben dem Cifraszűr andere verzierte, rund-geschnittene Mäntel mit Kapuze in Mode: Der so genannte Suba, der vom Kürschnergefertigt wurde, reichte bis zu den Knöcheln, war ärmellos und mit Lederapplikationenund Stickereien reich verziert. An vielen Orten galt er als noch„ festlicher" als derCifraszűr. Als Vorläufer des Cifraszűr können die Männersubas und der Ködmön( Jackeaus verziertem Leder) mit ähnlichem Musterschatz in der Verzierung angesehen werden.
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4 Bihar war bis 1920 ein ungarisches Komitat. Der größte Teil des Gebietes befindet sich heute inRumänien.