Bedeutungen. Es bezeichnete einerseits den groben Stoff( posztó), der aus der Wolledes ungarischen Schafes gewebt wurde, andererseits ein Oberkleid, einen Umhang ausPosztó mit hohem Kragen. Lange Zeit brachte man es auch mit dem Wort szőr( Fell,Pelz) in Verbindung. Nach dem heutigen Stand der Forschungen ist das Wort auf dieungarische Übersetzung des lateinischen vestes griseae( graue Gewänder) zurückzu-führen( Gáborján 1979: 375-395). Die in ihrer natürlichen Farbe belassenen Wollkleiderwaren im Mittelalter die bestimmenden Kleidungstücke der unteren sozialen Schichten.Bereits seit dem 15. Jahrhundert gibt es Aufzeichnungen über das Walken von Wollstof-fen. In den Walkmühlen wurde der Stoff durch ständiges Schlagen in einem Wasser-becken verdichtet und anschließend in einen Rahmen gespannt. Diese Prozedur machteden Szűrposztó hart und wasserabweisend. Schon im 18. Jahrhundert produzierte mandiese Textilie in großer Menge. Die Schneider stellten daraus Hosen, Überkleider undWinterkleidung vor allem für jene Personen her, die ständig unter freiem Himmel lebtenund arbeiteten, vor allem also die Hirten. Die Spezialisten der Posztóherstellung, dieSzűrweber und die so genannten Csapók( Stoffschläger), verarbeiteten große Teile derin Ungarn produzierten Wolle. Deshalb waren die Zentren der Stoffherstellung zugleichoft auch Zentren der Schafzucht. Bis zum 16. Jahrhundert war Debrecen Mittelpunkt derWollverarbeitung in der großen Tiefebene( ungar. Alföld). Nach dessen Niedergangkonzentrierte sich die Produktion auf Rozsnyó/ Rimaszombat( heute Slowakei). Dietransdanubische² Wolle wurde in Veszprém verarbeitet, die siebenbürgische in Her-mannstadt/ Sibiu und Heltau/ Nagydisznód. In ganz Ungarn genoss der Stoff aus diesenbeiden Städten den besten Ruf und wurde als besonders geeignetes Ausgangsmaterialfür den Cifraszűr betrachtet. Meist benützten die Weber die Wolle des ungarischenPurzsa- Schafes für die Herstellung der ursprünglich weißen, grauen oder braunenStoffe. Für festlichere Stücke bleichte oder färbte man das Material zusätzlich.
Schnitt
Dem Cifraszűr liegt ein einfacher Schnitt zugrunde. Jeder der üblicherweise elf Teilebildet ein Rechteck mit geraden Seiten. Rücken und Vorderteil sind jeweils aus einemStück geschnitten. An beiden Seiten ist ein rechteckiger Teil als Zwickel eingenäht. Denunteren Rand des Mantels beschließt ein Streifen, der das Ausfransen verhindern soll.Die Ärmel sind ebenfalls gerade und oft zugenäht, da man sie nicht benützt. Dascharakteristischste Stück des Cifraszűr ist der rechteckige Kragen. Die in der Tiefebeneverbreitete Variante mit einem kleinen Stehkragen wird als Széchenyi- Szűr³ bezeichnet.Der Schnitt des Szűr ist, von kleinen Unterschieden abgesehen( Länge, Größe desKragens, offene oder zugenähte Ärmel), in ganz Ost- Ungarn gleich. Lediglich dertransdanubische Cifraszűr weicht in den Proportionen deutlich ab, hat sich doch dorteine sehr weite, aber kurze Variante des Szűr durchgesetzt. Der um die Schultern gelegteSzűr ist so weit, dass man die Arme darunter ohne Probleme bewegen sowie Werkzeugund Jausensack( tarisznya) unter dem Mantel tragen kann. Die Vorderseite des Szűr istnicht geschlossen, da der Mantel nicht zugeknöpft, sondern an der Brust von einerRiemenschnalle zusammengehalten wird.
6
2 Transdanubien bezeichnet das Gebiet zwischen der österreichischen Grenze und der Donau.3 Széchenyi= ungarisches Adelsgeschlecht.