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,, Schnåbö Heil....."Vogelfang als Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumim Salzkammergut
Man könnte meinen, die Vorbilder für den Pa-pageno kämen aus dem Salzkammergut, dennin dieser Region blieb der Vogelfang legal bis indie Gegenwart erhalten. Hier wandelte sich dieeinst in Europa weit verbreitete Tradition desVogelfangs zum amtlich anerkannten Brauch-tum Glossar ::: zum Glossareintrag tum, das auf Grund einer Ausnahmegenehmi-gung des Naturschutzgesetzes ausgeübt wird.
Ursprünglich diente der Vogelfang im Salzkam-mergut zur Aufbesserung der Nahrungssitua-tion. Die im Salzwesen tätige Bevölkerung warauf die Nahrungszuweisungen seitens der Hof-kammer angewiesen. Fleisch war damals rar,weshalb die Jagd des kleinen Mannes" von derobersten Behörde unter Einhaltung bestimmterRegeln frei gegeben war.
Als sich im 19. Jahrhundert die Versorgung derMenschen verbesserte, behielten die Berg-knappen, Salinenarbeiter und Holzknechte denVogelfang zum Zeitvertreib bei. Damit ent-wickelte sich der Vogelfang im Salzkammergutzu einer spezifischen Eigenart, die alsbald vonReiseschriftstellern und von den Touristen alsBesonderheit der Region entdeckt wurde.Während in Tirol der Vogelfang, der früherallgemein ausgeübt wurde, gegen Ende des19. Jahrhunderts verschwand, sehen sich dieVogelfänger im Salzkammergut als Bewahrereiner lebendigen, unverwechselbaren Kultur.
Worin besteht die Eigenart des Vogelfangsim Salzkammergut? Hauptwesensmerkmalbildet die jährlich zu Kathrein( 25. November)stattfindende Konkurrenz, bei der die schönstenVögel von einer Jury prämiert werden und zwarder( Fichten) Kreuzschnabel, der Gimpel( Dom-pfaff), der Stieglitz( Distelfink) und ,, das Zeiserl"( Erlenzeisig). Die erste ,, Vogelausstellung" mitanschließendem ,, Vogelball" fand 1861 statt.Die in der Zeit von September bis Novembergefangenen Singvögel- behalten werden nurdie für die Ausstellung vorgesehenen- werdenim Frühjahr wieder frei gelassen. Lockvögelversorgt man das ganz Jahr. Früher hielt mansie einzeln in grünen Vogelhäuschen, die in derwarmen Jahreszeit an die Hauswand gehängtwurden. Heute stellt man den gefangenenSingvögeln in Volieren einen entsprechendenRaum zur Verfügung.
Die Vogelfänger des Salzkammergutes berufensich auf ein Edikt Kaiser Rudolfs II. aus demJahr 1579, in dem er seinen Forstmeister inLinz anwies, die Jagd in Bann zu legen undder einheimischen Bevölkerung den Vogelfangzu gestatten. Besonders zu Kaiserin MariaTheresias Zeiten hätten sie das Privileg desVogelfangs besessen. Seit der zweiten Hälftedes 19. Jahrhunderts sind die Vogelfänger inVereinen mit den entsprechenden Lokalitäten,Zeichen und Ritualen und seit 1950 auch ineinem Verband organisiert, der gegenüber denTierschützern um Verständnis wirbt.www.Vogelfreunde-Salzkammergut.at
Vogelausstellung, 2002
Foto: Franz Killmeyer
Beim Vogelfängerstammtisch, 2002Foto: Franz Killmeyer