Kreuzschnabel& Co.-eine kurze Naturgeschichte
Such' auf im Dorf das ärmste Haus,zerbröckelt und verwettert,ein Käfig hängt gewiß heraus,darin ein Vogel klettert.
Ernst Bauernfeind
R. Baumbach
( 1840-1905)
Wie im gleichnamigen Gedicht des ThüringersRudolf Baumbach ist der Kreuzschnabel der In-begriff des Stubenvogels aus dem Wald- dertypische ,, Waldvogel", wie es im Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum derVogelfänger Thüringens und des österreichischenSalzkammergutes immer hieẞ.
Um die vier Singvogelarten Kreuzschnabel,Gimpel, Zeisig und Stieglitz rankt sich die Ge-schichte des volkstümlichen Vogelfanges. Wasweiß aber der Nicht- Vogelfänger, was weiß dasmoderne Stadtkind über diese Vögel?
Der Fichtenkreuzschnabel( Loxia curvirostra)Innerhalb der Familie Finkenvögel( Fringillidae)bilden die Kreuzschnäbel( Gattung Loxia) einewohlabgegrenzte Gruppe mit vergleichswei-se nur wenigen Arten. Kennzeichnendes undnamengebendes Merkmal ist der gekreuzteSchnabel, wobei( nach der Richtung des Unter-schnabels) Rechtsschnäbler und Linksschnäblerin ungefähr gleichem Verhältnis vorkommen.Frisch geschlüpfte Jungvögel haben einen gera-den Schnabel, erst im Alter von 4 bis 6 Wochensetzt durch rascheres Schnabelwachstum dieKreuzung von Ober- und Unterschnabel ein. DieSchnabelform steht in direktem Zusammen-
hang mit dem Nahrungserwerb- wie mit einerPinzette werden die Samen von Nadelbäumen,vorwiegend Fichte, Lärche und Föhre, aus denZapfen gezogen. 500.000 bis 700.000 Samenverzehrt ein Kreuzschnabel in den spanischenPyrenéen im Jahr, was dort der Samenproduk-tion von etwa 80-280 Bergkiefern entspricht.Kein Wunder, daß Kreuzschnäbel in der Vergan-genheit auch vielfach als Waldschädlinge ange-sehen und entsprechend verfolgt wurden. Dieüberwiegende Ernährung durch stark ölhaltigeSamen bedingt ein hohes Trinkwasserbedürfnissowie die Notwendigkeit, den Mineralstoffhaus-halt durch zusätzliche Aufnahme anorganischerSalze zu decken. Schon Peter Simon Pallasschrieb 1776, daß„ Kreuzvögel nach aller Salz-haltigkeit begierig sind." An Salzlecken, die fürdas Wild eingerichtet wurden, kann man daherbisweilen Kreuzschnäbel beobachten.Auch das Federkleid der Kreuzschnäbel hat seineBesonderheiten. Im Jugendkleid sind männlicheund weibliche Tiere nicht zu unterscheiden, dieüberwiegende Färbung ist bräunlich und weiß-grau, unterseits deutlich längsgestreift, am mehreinfärbigen Rücken die dunkleren Federn grün-lichweiß oder gelblichgrün gerandet. Schon we-nige Wochen nach dem Flüggewerden setzt die
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