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Schätze des jüdischen Galizien : Begleitheft zur Ausstellung des Museums für Ethnographie und Kunstgewerbe, Lviv, Ukraine ; Schloßbergmuseum Chemnitz, Deutschland ; Jahresausstellung 2005, 20.03.2005 bis 1.11.2005, Ethnograpisches Museum Schloss Kittsee
Entstehung
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6. Judaica- Sammlungen in Lemberg

Als im späten 19. Jahrhundert in ganz Europa das In-teresse an Volkskunde und Kunstgewerbe sprunghaftwuchs, beruhte das nicht nur auf antiquarischem undnostalgischem Interesse. Die Säkularisierung der Reli-gionen entzog vielen Bräuchen, Symbolen undGeräten die Existenzgrundlage. Der drohende Verlustmotivierte dazu, die greifbaren Dinge zu erhalten unddie ferne rückende Vergangenheit zu fixieren und zurekonstruieren.

In zahlreichen Regionen Europas fungierte diesesethnographisch- kulturgeschichtliche Interesse als einVorläufer oder ein wichtiger Bestandteil der neuen Na-tionalbewegungen. In den Hinterlassenschaften derVorfahren sah man das eigene Erbe und suchte darindie eigene Identität. Im multiethnischen Galizien ent-standen daher- zunächst getrennt polnische,ukrainische und jüdische Sammlungen. Die im heuti-gen Lviver Museum vereinten jüdischen Beständehaben daher eine ungewöhnlich komplexe Geschichte.Sie gehen im Wesentlichen auf drei Sammlungenzurück.

Das Städtische Kunstgewerbemuseum

war im Jahr 1874 in Lemberg gegründet worden; es er-warb vereinzelt jüdische Objekte( z. B. 1895 zweiLesepulte). Erst ab 1905 wurde dieser Bereich zumeigenen Sammelgebiet entwickelt. Dieses Museum hatauch das Verdienst, die erste Ausstellung gezeigt zuhaben. Im Rahmen der galizischen" AllgemeinenLandesausstellung" von 1894 wurden jüdische Leih-gaben aus ganz Galizien gezeigt.

Die eigenen Sammlungen dieses Museums waren zwarnicht sehr umfangreich, aber sie wurden gepflegt underweitert( z. B. 1933 durch das Arbeitsgerät für dieshpanyer arbet). Entscheidend für die spätere Krisenzeitwar es jedoch, dass dieses angesehene öffentlicheMuseum einen Kernbestand an Judaica besaß undInteresse an der Thematik bewiesen hatte.

Der Sammler Maksymilian Goldsteinhat den Kern der heutigen Lviver Sammlung in vierJahrzehnten zusammengetragen. Er wurde 1880 alsSohn eines jüdischen Schneidermeisters, der späterImmobilienmakler wurde, geboren. Maksymilian, derälteste Sohn, wurde Bankier und kam beruflich viel inEuropa herum und lernte so den Standard der Museenund speziell den der jüdischen Museen kennen. 1910legte er der Leitung der jüdischen Gemeinde Lembergeinen Plan zur Gründung eines jüdischen Museumsvor, das auch seine eigenen Sammlungen umfassensollte. Die Gemeinde antwortete positiv, ließ aberkeine Taten folgen, sodass Goldstein enttäuscht seineneigenen Weg ging. Er sammelte weiter und gründete1911 den" Kreis der jüdischen Kunstliebhaber". 1920gab er den ersten Katalog heraus und 1935 einumfangreiches Buch über seine Sammlungen.

Die jüdische Gemeinde

wurde später selbst aktiv, ohne jedoch Goldsteineinzubeziehen. 1925 wurde das Kuratorium( Kommis-sion für die Erhaltung der jüdischen Kunst) gegründet,das sich vor allem die Dokumentation zum Ziel setzte,aber auch zur Rettung von Holzsynagogen und zurRestaurierung von Grabsteinen beitrug. Vorbilder undKooperationspartner war das Jüdische Museum inWien und die Frankfurter Gesellschaft zur Erforschungjüdischer Kulturdenkmäler. 1928 veranstaltete das Ku-ratorium seine erste Ausstellung und gab zu erkennen,dass es sich dem Fernziel eines Jüdischen Museumverpflichtet sah. Als 1931 das Kuratorium in finanzielleSchwierigkeiten geriet, beschloss die zuständige eu-ropäische Dachorganisation, dass die jüdischenMuseen in Berlin und Breslau die Bemühungen inLemberg unterstützen sollten. In diesem Jahr wurdeauch ein" Freundeskreis des Jüdischen Museums"gegründet; Vorsitzender war Dr. Marek Reichenstein,der neben Goldstein- bedeutendste ostgalizische Pri-vatsammler. Mit vereinten Kräften gelang es dann,1933 eine große Ausstellung im städtischen Kunst-gewerbemuseum mit 600 Exponaten zu zeigen,darunter sehr viele Leihgaben. Am 17.Mai 1934konnte dann endlich das" Museum der jüdischen

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