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Schätze des jüdischen Galizien : Begleitheft zur Ausstellung des Museums für Ethnographie und Kunstgewerbe, Lviv, Ukraine ; Schloßbergmuseum Chemnitz, Deutschland ; Jahresausstellung 2005, 20.03.2005 bis 1.11.2005, Ethnograpisches Museum Schloss Kittsee
Entstehung
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beziehung in die allgemeine Militärpflicht. Verschär-fend hinzu kam der Argwohn der Behörden: Sie er-ließen z.B. ein Einwanderungsverbot für vermö-genslose Juden und kontrollierten und reglementiertensehrdie Eheschließung zwischen Juden.

eng

Die in Deutschland sich entwickelnde jüdische Auf-klärung( haskala) begann, innerhalb der Gemeindender größeren Städte( Lemberg, Brody, Tarnopol) Fußzu fassen. Die zweite Phase, die Restauration, reichtebis 1848. Die mit den Josephinischen Reformen ver-bundenen Freiheiten wurden weitgehend zurück-genommen, doch die Juden blieben unter starkemDruck der Bürokratie. Die Umorientierung auf denneuen Wirtschaftsraum mit seiner Hauptstadt Wienbrachten zwar auch neue Impulse, insgesamt aber wur-den die alten Ost- West- Handelsbeziehungen empfind-lich gestört; Galizien geriet in eine Randlage und ver-armte insgesamt. Diese auch für Juden stark spürbareVerschlechterung zu Anfang des 19. Jahrhunderts ver-anlaẞte viele zur Auswanderung Richtung Westenoder nach Amerika.

Außerdem wurde die rasche Ausbreitung der chas-sidischen Bewegung begünstigt. Damit verschärftensich auch die internen Differenzen zwischen denaufgeklärten, auf Deutschland orientierten Reform-juden, den Konservativen/ Orthodoxen und denChassidim. Der Wortführer der Reform in Lemberg,Rabbi Abraham Kohen, eröffnete 1845 eine" deutsch-israelitische Hauptschule" und weihte im folgendenJahr ein" deutsch- israelitisches fortschrittlichesBethaus" ein; in beiden Einrichtungen wurde aufdeutsch unterrichtet bzw. gepredigt. Der Streit mit denorthodoxen Juden eskalierte so weit, dass er und seineFamilie 1848 vergiftet wurden.

Die dritte Phase, der Kampf um die Emanzipation,setzte im Revolutionsjahr 1848 ein. Die Judenbeteiligten sich politisch und militärisch außeror-dentlich aktiv, überwiegend auf Seiten der polnischenFreiheitskämpfer, ein Teil aber auch auf der proöster-reichischen Seite. Die reale rechtliche Situation derJuden besserte sich aber zunächst nicht; erst 1868wurde im galizischen Landtag das Emanzipationsgesetz

verabschiedet und damit die volle Rechtsgleichheithergestellt.

In der vierten Phase, der nationalen Polarisierung( ca 1880 bis 1918), ist eine deutliche politische Um-orientierung zu beobachten. Die meist propolnischeGrundstimmung der galizischen Juden erhielt einenherben Rückschlag, als sich ab 1880 in Polen der mo-derne Antisemitismus ausbreitete und zu vielen juden-feindlichen Aktionen im Nachbarland führte. EineReaktion darauf war die Entwicklung einer eigenenjüdischen Identität, sei es einer regionalen, sei es einerinternationalen( z.B. Zionismus). Die proöster-reichischen Juden öffneten sich der stärker werdendenukrainischen Nationalbewegung.

Am Ende der österreichischen Herrschaft waren dieJuden Galiziens trotz der religiösen und politischenDifferenzen sehr stark gesellschaftlich organisiert:eigene Vereine, Parteien, Zeitungen, Schulen, Hos-pitäler.

Unter polnischer Herrschaft( 1919- 1939)fanden sich die Juden als Minderheit in einem jungenNationalstaat wieder, der vor der zusätzlichenSchwierigkeit stand, seine historisch gebrochene Iden-tität wieder zu stärken- eine erheblich ungünstigereSituation als in einem Vielvölkerstaat wie dem Habs-burgischen. Belastet war der Neubeginn auch durchdie von allen Parteien während der Unabhängigkeis-kämpfe 1918-20 verübten Pogrome.

Die rechtliche Situation verschlechterte sich im neuenStaat; Juden konnten zum Beispiel nicht mehr alsBeamte tätig werden und nach und nach wurde auchder Zugang zu höheren Schulen und Universitäten re-glementiert. Die zahlreichen wirtschaftlichen Ein-schränkungen grenzten oft an Boykott. Die Juden ge-rieten in eine prekäre Situation zwischen den Polen-in Ostgalizien bevölkerungsmäßig eine Minderheitund der Bevölkerungsmehrheit der Ukrainer, die diejahrhundertelange Nähe der Juden zum polnischenAdel und die Unterstützung der polnischen Freiheits-bewegung im 19. Jahrhundert nicht vergessen hatten.

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