Vorwort
Adam und Eva haben die Schrift noch nicht gekannt, und den-noch findet sich ihr Bild einigemal in dieser Ausstellung: Im kleinenAndachtsbild wie im Hinterglasbild, als Hinweis auf die in dergleichen Vitrine ausgestellten Volksschauspiel- Handschriften, dieunter anderem auch Paradeisspiele, also Schauspiele um Adam undEva enthalten. Diese Volksschauspiel- Handschriften stellen ebensowie die sonst nie gezeigten und auch bisher kaum ausgewertetenLiedhandschriften, die geschriebenen Gesangbücher einen Teil derSchrift- Bestände des Museums dar, die für gewöhnlich nicht ge-zeigt werden.
Von der Schrift aus gesehen bedeuten sie eines der Ergebnissedes Schreibenlernens von gar nicht kleinen Teilen des„ Volkes".Unser Volk ist seit langem kein analphabetisches, schon seit demSpätmittelalter ist die Kunst des Schreibens und Lesens verhältnis-mäßig verbreitet. Von größter Bedeutung für die Heranführungdes Volkes an Schrift und Buch ist jederzeit das Christentum ge-wesen. Als ausgesprochene Schrift- Religion hat es nicht nur denBegriff der„ Heiligen Schrift" vertraut gemacht, sondern in ihrenkünstlerischen Zeugnissen auch immer den schauenden Gläubigennahegebracht. Die gleichen Menschen, die geschriebene und später-hin gedruckte Bücher in liturgischer Verwendung sahen, konntensie auch als Attribute von sehr vielen Heiligen auf plastischen undgemalten Kunstwerken wiederfinden. Und vom Buch des liturgi-schen und monastischen Gebrauches führte der Weg direkt zumAndachtsbuch, zum Gebetbuch, und zwar immer auch zum ge-schriebenen Buch. Vier Jahrhunderte hindurch hat das handge-schriebene Gebetbuch neben dem gedruckten sein Eigenlebengeführt.
Der Bestand dieser besonders im Volksbarock mit viel Liebeausgestatteten geschriebenen, gemalten und mit eingeklebten odereingelegten Andachtsbildern versehenen Gebetbücher läßt sichkaum überblicken. Sie sind auch an unserem Museum nur immergerade mitgesammelt worden, so daß sich in 75 Jahren nicht viel
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