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Dürer, Albrecht
( 1471, Nürnberg- 1528, Nürnberg)Heimsuchung, aus dem„ Marienleben"Holzschnitt
300 x 212 mm, beschnitten, um 1503Kupferstichkabinett der Akademie derbildenden Künste, Wien, Inv.Nr. 493
In der Mitte des Blattes begegnen sichElisabeth und Maria. Am linken Blattrandist Zacharias, der Gemahl Elisabeths, vordie Haustüre getreten, während rechtsvon den beiden Frauen eine Dreiergruppeweiblicher Personen, die Maria auf ihremWeg zu Elisabeth begleitet haben, dieBegegnung beobachtet. Deutlich ist derschwangere Zustand von Elisabeth undMaria zu erkennen. Während links dasHaus von Zacharias und Elisabeth, undrechts ein dichter Wald keine Fernsichtzulassen, weitet sich hinter Elisabeth undAnna das Bild in eine Landschaft mit einerBurg und Häusern auf Hügelkuppen undBergen. Diese Szenerie ist an den Bibel-text angelehnt, der von einer Stadt in denBergen spricht, in deren Nähe Elisabethund Zacharias wohnen. Die Architekturder Häuser und die Landschaft sind aller-dings der zeitgenössischen UmgebungDürers entnommen, d.h. dem späten15./frühen 16. Jahrhundert. Der Künstlerhat seine Beobachtungen des alltäglichenLebens sehr getreu wiedergegeben: Soweist die gekrümmte Haltung Marias aufeine Schwangerschaftslordose( Verkrüm-mung der Wirbelsäule) hin. Dürer fertigteinsgesamt 20 Holzstöcke zu dem Zyklus,, Marienleben" an. 1511 gab Dürer die
zunächst als Einzelblätter geplante Motiv-folge als Buch heraus. Die beigefügtenTexte( Gedichte in lateinischer Sprache)stammen vom Nürnberger Benediktiner-mönch Benedictus Chelidonius( eigentlichB. Schwalbe), der von 1512 bis 1518 Abtdes Schottenstiftes in Wien war.
Dürer, Albrecht
EL
( 1471, Nürnberg- 1528, Nürnberg)Die Geburt Mariens, aus dem„, Marien-leben"( genannt ,, Die Wochenstube")Holzschnitt
299 x 210 mm beschnitten, monogrammiertin Täfelchen auf dem Fußboden um 1503Kupferstichkabinett der Akademie derbildenden Künste, Wien, Inv. Nr. 250
In einem großen Zimmer liegt Anna ineinem Wochenbett mit Baldachin. DieHebamme ist neben dem Bett aus Er-schöpfung eingeschlafen. Währenddessenbringen zwei Frauen Suppe in einer Schaleund etwas zu trinken, um die Wöchnerinzu versorgen. Im Vordergrund beschäf-tigen sich drei Frauengruppen mit unter-schiedlichen Aufgaben. Eine Frau beginnt,das Neugeborene zu baden, eine zweiteholt die Wiege herbei. Andere Frauenbringen Speisen und Getränke, essen undtrinken selbst, wiederum andere beschäf-tigen sich mit einem weiteren Kleinkindund geben ihrer Freude über die glückli-che Geburt Ausdruck. Statt der Deckedes Zimmers blickt man in den Himmelund auf einen Engel, der ein Weihrauch-gefäß über der Szene schwenkt. Nicht
nur das Zimmer und die Kleidung derFrauen sind im bürgerlichen Stil vonDürers Zeit, der Wende vom 15. zum 16.Jahrhunderts, gehalten. Auch die Aktivitä-ten der Frauen, die aus Anlass der glückli-chen Geburt des Kindes zu einer ,, Kind-bettzeche", einem Frauenfest in der Wo-chenstube zusammengefunden haben,sind typisch für jene Zeit und historischverbürgt. Eine große Anzahl von helfen-den Frauen bei der Geburt wurde sogar inHebammenlehrbüchern empfohlen. ZuDürers Zeit gab es schon seit einigen Jahr-zehnten offiziell den Beruf der Hebamme( die erste Hebammenordnung stammtaus dem Jahr 1452). Verheiratete weibli-che Verwandte und Nachbarinnen bilde-ten eine Hilfsgemeinschaft, um die Wöch-nerin und das Kind zu versorgen. Dieserituelle Gemeinschaft setzte sich in einerimmer aufwendiger werdenden Festkulturfort, die wegen immer üppiger werden-den Mahlzeiten in Verruf geriet. Ende des15. Jahrhunderts unterscheidet man darü-ber hinaus noch zwischen den Frauen, diezur Taufe eingeladen und bewirtet werdenund jenen eingeladenen Frauen, um dasEnde des Kindbetts zu feiern. Mitte des16. Jahrhunderts sprechen Verordnungenin Deutschland von nicht mehr als sechsFrauen( zusätzlich zur Hebamme und derGevatterin), die eingeladen und verköstigtwerden sollen. Ab Mitte des 17. Jahrhun-derts verlangt man Gebühren für jedeüberzählige Person. Seit Mitte des 17.Jahrhunderts gibt es schließlich die Kind-bettzeche in dieser Art, wie wir sie auf
dem Bild sehen, nicht mehr.
EL