Aller Anfang von den Anfängen bis zur Realisierung
Die Geburt als Anfang ist allen Menschen gemein, jeder Mensch ist geboren. Hannah Ahrend hat als eine derwenigen ihrer Disziplin die Bedeutung der Natalität betont: Alle Menschen sind„ in der allgemeinstenBedingtheit menschlichen Lebens verankert, dass es nämlich durch Geburt zur Welt kommt und durch Todaus ihr wieder verschwindet". Dies sei die Basis dafür, dass wir Initiative ergreifen können, dass uns, dieFähigkeit zukommt, selbst einen neuen Anfang zu machen".
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Die Geburt als Idee sei in der Ideengeschichte des Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag Abendlandes ein Stiefkind gewesen, schreibt ArthurBoelderl. Es scheint an der Zeit, Initiative zu ergreifen und die„ Geburtsvergessenheit"( Hans Jonas) unsererKultur aufzubrechen. Zu einem Zeitpunkt, an dem die Historikerin Barbara Duden radikal den„, Untergang derGeburt" konstatiert und genetisch designte Kinder und künstliche Gebärmütter in scheinbar greifbare Näherücken, an dem entscheidende Neuerungen, Möglichkeiten und Verluste rund um die Menschwerdung einenbreiten Diskurs in den Kultur- und Sozialwissenschaften und in den Medien in Gang setzen.
Anlass für dieses Ausstellungsprojekt ist der Internationale Hebammenkongress in Wien vom 14. bis 18.4. 2002.Auch die Frauen, die sich in erster Linie der Geburt annehmen, die Hebammen, führten und führen an vielenOrten der Welt ein„ Stiefkinddasein". Sie haben mit ihrem Weltkongress eine Chance, ihre gesundheits- undfrauenpolitischen Anliegen mehr ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.
Eine interdisziplinäre Gruppe hat- teilweise schon seit mehreren Jahren- an der Vorbereitung der Ausstel-lung gearbeitet. Das Konzept wurde von Lisi Breuss, Rike Frank, Bernhard Hadolt, Lore Louis, Dorothea Rüb,Rosa v. Suess und Verena Traeger verfasst und von Iris und Michael Podgorschek gestaltet. Es sollte einertransdisziplinär ausgerichteten methodischen Vorgehensweise folgen, d.h. weder die Wahl noch die Bear-beitung der in der Ausstellung aufgegriffen Themen orientiert sich an den üblichen Grenzziehungen zwischenden beteiligten wissenschaftlichen Disziplinen( Geschichte, Kunstwissenschaft, Sozialanthropologie, Medizin,usw.). Diese Annäherungsweise wird über den Begriff des„ Blickes" umgesetzt. Durch die Ausstellungs-konzeption zieht sich eine zentrale Fragestellung:
Was wird sichtbar, was bleibt verborgen?
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