Umzug herrschenden rauhen Umgangston alsGefahr für die geistige Entwicklung vor allem derjüngeren Teilnehmer. Das Gericht kam dem Wunschdes Pfarrers entgegen und erließ ein Verbot desSingens und Herumziehens der Kinder am Neu-jahrsabend. Aber auch das Sternsingen- daraufwird an anderer Stelle noch eingegangen war fürSchüler und bestimmte Berufsgruppen ein notwen-diger Nebenerwerb.
Für Wien sind seit dem frühen 18. Jahrhundertgedruckte Neujahrswünsche verschiedener Berufs-gruppen wie etwa der Rumorwache, der Turmwäch-ter, Sänftenträger, Theaterzettelträger, Kaffeehaus-kellner oder auch Rauchfangkehrer belegt, die fürihre Karten kleine Geldgeschenke erhielten. DieErfindung der Lithographie begünstigte die Herstel-lung solcher Glückwunschkarten. Diese papierenenWünsche waren meist einfach ausgeführt und zeig-ten größtenteils eine Darstellung des betreffendenBerufes.72 Als Vorbild für diese Neujahrsgeschenkewird gerne das von Postboten als Präsent über-reichte Postbüchel angesehen, das auf eine Ideedes kaiserlichen Postamtsbriefträgers Johann Jor-dan zurückgeht: Sein Postbüchel, erstmals erschie-nen 1701, enthielt das erste Wiener Gassenver-zeichnis vor der Einführung der Häusernumerierungunter Maria Theresia und sollte die Orientierung inder Stadt erleichtern. Postbüchel heute sind kleineInformationsbroschüren, die neben Post- und Tele-fongebühren auch einen Jahreskalender enthal-ten.73
Die Zahl der heischenden Personen wurde bald alsunzumutbar angesehen, die vornehmen Bürgerfühlten sich belästigt. Durch das Einführen dersogenannten„, Glückwunsch- Enthebungskarten" imJahr 1830 durch die Stadtbehörde sollte dieses Pro-blem bekämpft werden: Wer Enthebungskartenkaufte, spendete für wohltätige Zwecke und warsomit von jeder weiteren Spendenpflicht befreit.Heischegängern war es verboten, an Wohnungs-oder Haustüren, an denen eine solche Karte ange-bracht war, anzuklopfen und um Gaben zu bitten.Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhun-derts wurden Enthebungskarten in verschiedenenGrößen und mit unterschiedlichsten Motiven-nicht nur in Wien- verkauft.74
Epiphanie: Christus Mansionem Benedictat
Zur Entstehung eines Kultes
Mit dem 6. Jänner, in der evangelischen Kirche als,, Epiphanias", in der katholischen als„, Dreikönigs-tag" bezeichnet, endet die weihnachtliche Festzeit.Häufig werden an diesem Tag zum letzten Mal dieChristbaumkerzen angezündet, in manchen Gegen-den Europas Kuchen mit einer Bohne oder aucheiner Münze gebacken. Wer die Bohne in seinemStück hat, hat Glück: Er darf für den Rest desAbends Bohnenkönig spielen, sich eine Königinund einen Hofstaat wählen und das Regiment imHaus führen.75
Das Wort„, Epiphanie" kommt von griechisch„, epip-haneia" und bedeutet ,, Erscheinung" beziehungs-weise ,, Erscheinung einer Gottheit unter den Men-schen". Die Christen feierten an diesem Tag ver-mutlich bis gegen Ende des 3. Jahrhunderts dieGeburt Christi, die Feier der Erscheinung Christi aufErden, aber auch seine Taufe im Jordan beziehungs-weise nach anderen Überlieferungen auch dieAnkunft der Magier sowie die Erinnerung an dieHochzeit zu Kana. Im 4. Jahrhundert wurde von Romausgehend die Erscheinung Christi und die Anbe-tung der Weisen auf den 25. Dezember verlegt, umdas„ heidnische Glossar ::: zum Glossareintrag heidnische" Fest der Geburt der unbesiegba-ren Sonne, des Sonnengottes„ Sol Invictus", zu ver-drängen. Die anderen beiden Festmotive( Taufe undHochzeit zu Kana) verblieben am 6. Jänner. Unterorientalischem Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischem Einfluß trennte Rom dann noch imselben Jahrhundert den Festinhalt des Weihnachts-festes: die den„ Erstberufenen unter den Heiden Glossar ::: zum Glossareintrag Heiden",also den Magiern, zuteil gewordene Offenbarungdes neugeborenen Gotteskindes wurde nun wiederam 6. Jänner gefeiert.
Heute begeht die Ostkirche am Epiphaniastag dieTaufe Christi, die abendländische Glossar ::: zum Glossareintrag abendländische Kirche hingegenfeiert die Ankunft der drei, oder vielleicht auch vier76- darüber war man sich nicht immer einig-, Weisenoder Magier aus dem Morgenland Glossar ::: zum Glossareintrag Morgenland, die erst seit dem6. Jahrhundert als Könige bezeichnet werden. Seitdem 8. Jahrhundert sind die aus dem Persischenkommenden Namen bekannt, die möglicherweisefrei erfundenen sind und ebenso wie die Geschenke,die die Drei mitgeführt haben sollen, vor allem imMittelalter unterschiedlichste Deutungen erfuhren.77
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