Druckschrift 
2000 - Zeiten, Übergänge : zur Konstruktion der Jahrtausendwende ; Begleitpublikation zur Ausstellung: ..., 3. Dezember 1999 bis 13. Februar 2000
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

die von unterschiedlicher Ausführung waren. Esgab einfache Gefäße mit einem Loch und einerSkala oder komplizierte mit Zahnrädern und Zei-gern verbundene, mit denen auf die Sekunde genaugemessen werden konnte. Eine spezielle Wasser-uhr, die Klepsydra, war in Griechenland in vielseiti-ger Verwendung, sie wurde etwa ab 425 v. Ch. ein-gesetzt, um die Redezeiten bei Gericht zu bemes-sen. Ihr Aussehen gleicht der eines Weinhebers, derin Wasser getaucht wird und das Wasser durchfeine Löcher wieder ausströmen läßt und so die Zeitbemiẞt. Die Klepsydra kann als erste Uhr bezeich-net werden, die Stunden gleichmäßig und damitunabhängig vom Sonnenstand anzeigt. Damitwurde Zeit erstmals unabhängig von den Vorgän-gen am Himmel begreifbar und darüber hinaus inZahlen faẞbar, also berechenbar.

Ein anderes Meẞßgerät, das die Zeit direkt vom Him-mel nimmt, ist das Astrolabium. Es wurde vonTheon von Alexandria erstmals beschrieben( 350 n.Ch.) und ist ein Winkelmeßgerät, mit dem dieSonne oder ein Stern angepeilt wird und an einerSkala dann die Zeit abzulesen ist. Genaue Angabenüber die Funktionsweise des Astrolabiums findensich in der, Constructio mathematica" des ClaudiusPtolemäus( um 100 bis 160 n. Ch.). Diese Gerätewurden später von arabischen Wissenschaftlernwesentlich verbessert und im 13. Jahrhundert wie-der in Europa verbreitet. Besonders für Seefahrerwaren sie von großer Wichtigkeit. Im 18. Jahrhun-dert verloren die Astrolabien ihre Bedeutung,Sternuhren verschiedenster Art, allesamt Winkel-meẞgeräte, werden jedoch bis heute entwickeltund vor allem in der Astronomie verwendet.54

Neben Sonnenuhren wurden im Mittelalter auchKerzen eingesetzt und anhand ihrer Abbrennlängedie Zeit gemessen. Mitunter wurden Nägel insWachs gesteckt, die bei ihrem Herunterfallen dievergangene Zeit laut anzeigten.55 Sanduhren 56 wur-den in der zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts ent-wickelt, einer Zeit, in der die Glasbläserkunst soweit entwickelt war, daß ihre Herstellung technischmöglich wurde. Durch Variieren der Uhrgröße undder Menge des Sandes wurden Uhren für die Mes-sung einer Viertel-, einer Halb-, einer Dreiviertel-

oder einer Stunde erzeugt. Verschiedene Rezeptezur Herstellung und Mischung des Sandes sindüberliefert, wobei zu bedenken ist, daß ältereUhren durch das Abschleifen der Sandkörnerschneller ablaufen. Sanduhren wurden vielseitigeingesetzt, auch sie waren unerläßlich für die Schif-fahrt, etwa für die Knotenbestimmung. Sie wurdenim Alltag eingesetzt, etwa für die Zeitbestimmungvon Bädern oder Umschlägen, von Turnieren odervon Tätigkeiten im Haushalt. Vor allem im 16. und17. Jahrhundert wurde die Darstellung einer Sand-uhr zu einem beliebten Vanitas- Motiv. Das hängtzum einen mit ihrer Funktionsweise zusammen-das Vergehen der Zeit ist anhand des Verrinnensdes Sandes direkt beobachtbar- und zum anderenmit dem langsam einsetzenden Bewußtsein, daßZeit vergeht, nicht zyklisch ist und daher auch nichtwiederbringbar.

Die Räderuhr gehört zu jenen Erfindungen, welchedie Moderne wesentlich mitbestimmt haben.Bemerkenswert ist der Umstand, daß weder ihrErfinder noch der Zeitpunkt ihrer Erfindung bekanntsind. Vermutlich fand ihre Entwicklung um 1300statt, also zu einer Zeit, in der die Städte expan-dierten und die Metallverarbeitung große Kunstfer-tigkeit erreichte, in der beispielsweise auch dieKanone entwickelt wurde.57 Rudolf Wendorff siehtihre Erfindung in Zusammenhang mit einem seitdem Hochmittelalter veränderten Zeitbewußtsein,das die Endzeiterwartung überwunden hat und dasAugenmerk auf das unmittelbare, nahe Geschehenlenkt und dieses zu fassen sucht. Umgekehrtbewirkte die Zergliederung der Zeit in meßbaregleichförmige Bestandteile, daß die Zeit einteilbarund nutzbar wird, während sie bis zu diesem Zeit-punkt Sinnbild der mâze" oder temperantia", derMäßigkeit, war und als von Gott eingerichteterruhiger gleichmäßiger Fluß gedacht wurde.58 Dieweitere Entwicklung des Zeitbewußtseins in Europabaut auf diesen Voraussetzungen auf: Zeit wird inder Folge immer mehr als planbar empfunden,wodurch eine Zukunftsgerichtetheit entsteht, undals nutzbar, was den Zwang zum Nutzen impliziert.

Die ältesten Formen der Räderuhren bestanden auseinem Antrieb- den Gewichten-, einer Überset-

30