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Beiträge zur germanischen Mythologie : nebst Anhang: Nordische Sagen auf dem Gymnasium
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Ebenso wenig einwandfrei ist, was die Lesebücher aus der nordischen Mythologie bieten,Buschmann schon auf der Unterstufe, Hopf u. P. sowie Buschmann in reicher Fülle auf derMittelstufe( H. u. P. für III A u. B). Fast alle diese Lesestücke von Lange, Wägner, Albers,Heskamp u. a. nehmen einen längst überwundenen Standpunkt der mythologischen Forschungein, ja viele bieten geradezu Falsches.¹) Vor allem wird man hier den Grundirrtum ausmerzenmüssen, dass die Mythologie der Edda mit dem deutschen Götterglauben eins sei, man wirderkennen müssen, dass nicht alles, was die Skalden von Odin, Thor und Frigg berichten, vonWodan, Donar und Frija gilt, dass wir aus dem Glauben unserer Vorfahren über Weltschöpfungund Weltuntergang, über Heimdall, Loki, 2) Baldr³) u. a. nichts Sicheres und für die SchuleBrauchbares wissen. Auch die ganze Darstellung wird andere Wege einschlagen müssen. Was sollenferner dem unreifen Knaben Citate aus der Edda wie ,, Unter des Reifriesen Arm wuchs, rühmtdie Sage, dem Riesen Sohn und Tochter, Fuss mit Fuss gewann dem furchtbaren Kiesen Sechs-gehaupteten Sohn". Das sind für den Tertianer ja reine Orakelsprüche! Vor allem soll manein Lesestück aufnehmen, welches das Verhältnis der nordischen Mythologie und der Mythen-dichtung der Skalden zum deutschen Götterglauben in schlichter, leicht fasslicher Form vor Augenführt. Ein zweites Stück könnte von der Bedeutung des alten Himmels- und Kriegsgottes( Tiu),vom Donar- und Wodankult und dem Vordringen des letzteren, von der Verehrung der Erdgöttinin ihren bedeutendsten Hypostasen erzählen und im Anschluss daran von dem, was Tacitus über Nerthus( Wanenkult) berichtet. Ohne solche Lesestücke oder entsprechende Aufklärung von seiten des Lehrerswerden durch die Lektüre der nordischen Göttersagen nur falsche Vorstellungen genährt, diespäter nur schwer auszurotten sind. Eine Darlegung der thatsächlichen Verhältnisse, auf dieHauptpunkte beschränkt, mutet dem Tertianer keine grössere Anstrengung zu als das Verständnisso mancher Kapitel der auf dieser Stufe zu behandelnden deutschen Geschichte.

Für II A schreiben die Lehrpläne Ausblicke auf nordische Sagen und die grossengermanischen Sagenkreise" vor. Diese Zusammenstellung und die Erläuterung S. 71( vgl. obenS. 14) weisen darauf hin, dass es sich hierbei hauptsächlich um die Heldensage handelt. Natürlichwird auch die Göttersage nicht unberücksichtigt bleiben können, da sie ja im Norden uit jenervielfach verknüpft war. Für welche Heldensagen 4) ist nun die nordische Überlieferung von Bedeutung?

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1) Einige Beispiele! Hopf und Pauls. III B, 19,, Der Name... Wodan( Wuotan) hängt sowohl mitunserm Zeitwort ,, waten" als mit dem verwandten Hauptwort ,, Wut" zusammen und bezeichnet den Gott einerseitsals einen durchschreitenden" u s. w. So nach Grimm, Myth. 109; vgl. dazu oben S. 13.- S. 27. HlorridiS. 31 Tacitus hat vielleicht mit Herkules( Germ. c. III) Siegfried gemeint.,, glutumwallt."ebd. das Märchen,, Knüppel aus dem Sack" ist vielleicht auf Donar zu beziehen. IV, 170 Den Loki, den Herrscher der Nachtund des Winters, bezwingt Baldur und nötigt ihn zum Frieden, so dass er ihm hl. Eide schwören muss.Baldur, von Lokis Pfeilen verwundet, schwebte lange am Rande des Todes, bis Wodan ihm wieder Gesundheitverlieh. Buschmann Glossar ::: zum Glossareintrag  Buschmann I, 47 Wodan und Berchta= nord. Odin und Frija( statt Frigg). II, 69 Die Lufigeisterhiessen Wanen. Sie bevölkerten die Gegenden der Wolken, hausten auf Bergesgipfeln... und in lieblichen Grottenund Hainen... Man rechnete auch die Walküren zu ihnen, jene lieblichen, himmlischen Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrauen...

2) Wenn ich oben( S. 3ff.) den Versuch gewagt habe, verschiedene Mythen von Loki auf indogermanische( und daher natürlich zunächst gemein- germanische) Wurzel zurückzuführen, so bin ich mir wohl bewusst, dass dieneueste Forschung solchen Kombinationen sehr skeptisch gegenübersteht, und in den meisten Fällen mit Recht.Obiger Versuch ist auch nicht für Tertiauer geschrieben.

3) Hopf und Pauls. III A, 8,, Die Erinnerung an Baldurs Leichenbrand aber hat Jahrtausende( sic!)überdauert; noch lodern am Fest der Sommersonnenwende( 24 Juni) in vielen Gegenden unseres deutschen Vater-landes Holzstösse von Bergen und Hügeln auf u. s. w."

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4) Ich vermeide den Ausdruck Sagenkreis. Die in populären Litteraturgeschichten beliebte Einteilungin einen ostgotischen, burgundischen. fränkischen, hunnischen, longobardischen, alemannischen, friesischen Sagenkreis( so Kluge, Gesch. d. d. Nat. Lit, 25. Aufl. 1894. O. Lyon, Handb. d. d. Spr. 4. Aufl. 1884 lässt den alemannischenfort und nennt den friesischen mit Gudrun als Mittelpunkt ,, Sagenkreis der Nordsee") ist durchaus unhaltbar, wieschon die vielfachen Varianten in den Handbüchern zeigen. Ein principium divisionis ist nicht festgehalten. Manschwankt zwischen dem Ursprung der Sage( der zum Teil gar nicht feststeht) und dem Volksstamm, bei dem sieausgebildet würde. Dazu kommt noch, dass einzelne Helden verschiedenen Sagen und Dichtungen angehören.Man kann nur von einer Dietrich, einer Gudruu-( Hilde-), einer Walthersage u. s. f. sprechen. Ähnlich verfuhr schonW. Scherer in seiner Geschichte d. d. Lit. Treffend äussert sich hierüber Jiriczek, D. d. Heldensage 1894, S. 16 f.