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Volkskunde
(1925-1931)
Entstehung
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Volkskunde( 1925-1931)

269unübersehbaren neueren Originalpublikationen wählt ebenfalls Kricke-berg¹ eine stattliche Anzahl, geordnet nach Kulturkreisen( die sich deut-lich spürbar auch in den Motiven, der Erzählungstechnik, typischenZahlen usw. der Geschichten abzeichnen): Ost- Eskimo Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimo, Algonkin, Iro-kesen, Präerie- und Plateauvölker, Völker des Südwestens. Gewiß istauch hier vieles eher Mythos als Märchen, und aufs merkwürdigste fühltman sich auch an Antikes gemahnt; auf die Phaetonsage weist derHerausgeber S. 396 selbst hin. Ich nenne noch die SymplegadenS. 337, den ganz herakleischen Kulturheros Blutkloß und seine Ent-rückung( S. 138 ff.), S. 115 und 267 halb Genesis, halb Prometheus-Epimetheus, S. 48 mehr Walfisch à la Lukians Verae historiae als Jonas-typ. Interessante Blindheitsheilungen S. 36( durch Vogelkot), S. 246durch Speichel. Kosmogonien und Anthropogonien z. T. hervorragenderArt( die der Zuñis!) stehen neben einer Fülle von ätiologischen Sagen,vieles ist astralmythologisch( von Krickeberg wird noch mehr in diesemSinn aufgefaßt als von den Amerikanern), aber doch echt märchenhaftsind die köstlichen Tiergeschichten. Der Koyote, der Nerz, der Rabe sindwürdige Vettern des Reinecke Fuchs sowie verwandter Tierhelden inFrobenius' Atlantis oder Overbecks Insulinde. Krickebergs eingehenderKommentar( S. 367-414) ist wieder mehr esoterisch als auf allge-meine Typenvergleichung eingestellt.

Lehrreich ist es, beide Bände Krickebergs nacheinander zu lesen: der so-ziologische Unterschied der alten Hochkulturen Mittel- und Südamerikas vonder Kultur der primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos oder derjenigen der Präerie- und Plateau-völker ist außerordentlich und prägt sich auch im Erzählungsinhalt und derStruktur stark aus. Der Südwesten hält im großen Ganzen eine mittlere Linieein. Vom europäischen Märchen mit seinen vorherrschenden Triaden unter-scheidet sich die Vorliebe der nordamerikanischen für die Vierzahl, die inMittel- und Südamerika nicht fehlt, aber strukturell sich weniger auswirkt.Hier ist sie mehr durch die Vierheit der Raumorientation bedingt, neben ihrstehen in den Altkulturen Amerikas die kalendarischen Zahlen 13 und 52 alshauptsächlichste. Dagegen herrscht die 4 auch stark in Afrika( Frobenius,Atlantis), wo auch viel typologisch mit Nordamerika Vergleichbares vorkommt.Gerade von solchen Erwägungen aus bedauert man, daß Krickeberg, durchRaumnot gezwungen, sich all solche Ausblicke versagen mußte.

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36. In den ägyptischen Märchen gibt Roeder nach einemÜberblick über die altägyptische Literaturgeschichte und ihre Formenreichliche Proben vom mittleren Reich an bis herab zu koptischenStücken. Wie schon der Titel andeutet, ist der Begriff Märchen frei-gebig gefaßt: viel Mythisches, Historisches, Romanhaftes, Fabeln und

1 W. Krickeberg Indianermärchen Glossar ::: zum Glossareintrag  Indianermärchen aus Nordamerika. Jena 1924, Diederichs.VII, 419 S. mit vielen Abb. im Text und auf 7 Tafeln, Karte.

2 G. Roeder Altägyptische Erzählungen und Märchen. Jena 1927, Diede-richs. XXV, 343 S. Mit 16 Tafeln und zahlreichen Abb. im Text.