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OSBORN
Der Neid ist ein Eiter in den Beinen, er ist ein Gift,das alle Adern durchläuft wie Quecksilber, und reisst undbeisst 1). Wie sehr dies Gift unserer sündigen Natur angeboren,das sieht man schon, wenn ,, Kinderlein vnter dreyen Jahrenbey einander spielen vnd kurtzweil treyben, wie sie sich neidenvnd genecken" 2). Nur ganz nebenher wird die Begründungdes Neids durch die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisseerwähnt, aber die Ungleichheit, die hier auf Erden herrscht,einfach kurz erklärt mit einem apodiktischen ,, Es kann indieser Welt nicht anders seyn".
In der Litteratur sieht Rhodius den Neidhard gar wildtoben; da wird die ganze Welt kritisiert und getadelt ,,, carpiertvnd berüsselt" 3). Er selbst ist ein eifriger Leser, er beschäftigtsich lieber mit Büchern als mit ,, spazieren gehen, Karten,Brettspiel", aber seit 20 Jahren, meint er, habe er keineinziges Buch gelesen, darin er nicht etwas gefunden, dasihm ,, in seinen Kram gedienet" 4).
Zum Schutz gegen die Neidischen wird christliche Demutund Frömmigkeit empfohlen; man soll die Missgünstigen nichtbeachten oder ihnen Gutes thun. Ratschläge folgen, wieman sich selber frei von Neid halten soll, und die conventionelleDrohung mit den Strafen im Diesseits und Jenseits schliesstdas hübsche Buch.
Lange nicht so frisch ist die erste Teufelsschrift desJohannes Rhodius vom ,, Schmeichel- oder Fuchs-schwentze Teuffel..." 5).
Den Menschen ist die Schmeichelei von jeher angenehmgewesen, sie ,, kutzelt vns in kleinen Zehen", und auch wennman sie selbst als ungerecht empfindet,., wenn man sie gleichzu einer Thür hinaus stösset, so machet man ihr doch ein
1) 73 b. 2) 752 a. 3) 832a, 4) 832b.
5)""... Das ist klarer Bericht von Schmeichlern, woher sie kommen,was für Leute sie sind, wie viel schaden sie thun vnd wie sie gestrafft etc.Gestellet durch Johannem Rhodium..." Goedeke No. 30, 2 DerHeuchler wird stets mit ,, Fuchsschwenzen" zusammengebracht, auch wohlselbst ,, Fuchsschwenzer" genannt. cf. Deutsch. Wörterb. IV, Ia Sp. 351 ff.
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