26
OSBORN
früheren Trinklitteratur mit in die Debatte gezogen worden,und Friederich, der, wie wir später noch des näheren sehenwerden, mit dieser sehr vertraut war, hat auch hieraus An-regungen zu seinem„ Sauffteufel" geschöpft.
99.
Ein von ihm gegen die moderne Kleidertracht verfasster, Pluder und Krausenteufel", der ihm zugeschrieben wordenist ¹), ist nirgends zu entdecken, und die Nachricht könnteleicht auf einer Verwechslung beruhen.
In einem Feldzug gegen die Mode aber nahm bald einanderer Mann das Schwert gegen den Satan in seine kräftigeFaust, um mit derben Hieben dreinzuschlagen. Es war derbekannte Pfarrer und Professor zu Frankfurt a. O. AndreasMusculus, eine knorrige, streitbare Theologengestalt, un-ermüdlich im Eifern und im Kämpfen, ein echtes Kind seinerbewegten Zeit, dessen lebendiger, energischer und oft polternderTon prächtig zu den durchdringenden, ingrimmigen Augen,zu den scharfen Zügen und den starken Knochen seines Ge-sichts passte). Musculus, der im Jahre 1514 als Sohn desangesehenen Bürgers Johannes Meusel zu Schneeberg inSachsen das Licht der Welt erblickte und seinen Namen nachdem Muster des lothringischen geistlichen LiederdichtersWolfgang Musculus( eigentlich Meüsslin oder Mösel) latinisierthaben mag, genoss seinen ersten Unterricht in dem tüchtigenGymnasium seiner Vaterstadt, welchem Hieronymus Wellerals Rektor vorstand. Schneeberg gehörte zu dem Gebiet deslutherfeindlichen Herzogs Georg und so ward der junge Mus-culus zunächst im alten Glauben erzogen. Aber als Studentin Leipzig, wo sich trotz aller Bemühungen des Herzogs dieneue Lehre Eingang verschafft hatte, ward er bald schwan-kend, und als er bei der Rückkunft in seine inzwischen durchden Vertrag von Grimma an Johann Friedrich übergegangene
1) Otto, a. a. O, ohne nähere Angaben.
2) Chr. Wilh. Spieker, Lebensgeschichte des Andreas MusculusFr. a. O. 1858, bringt nach Becmanns Not. lit. Univ. Francof.( p. 88-92 über Musc.) ein Bildnis von ihm, das früher in der Oberkirchezu Frkf. a. O. aufgestellt war.