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Die Teufellitteratur des XVI. Jahrhunderts
Entstehung
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ENTSTEHUNG.

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Wie überhaupt bei der Beurteilung von Kunstschöpfungender älteren Zeit, so hat man auch bei der Betrachtung diesesMotivs die äusserst wichtigen, unendlich verschlungenenWechselbeziehungen zwischen der Litteratur und den bildendenKünsten zu verfolgen. Das hohe Alter der Darstellung vontypischen Repräsentanten gewisser menschlicher Laster undFehler wie ihre Verbreitung schon in der byzantinischen Kunstmacht einen starken Einfluss auf die Poesie sehr wahrscheinlich;wie man ja umgekehrt glaubte, manche Züge in Werken derPlastik und Malerei auf Einwirkungen der Litteratur, namentlichder geistlichen Spiele, zurückführen zu dürfen ¹), und wie auchin unserem Fall die Maler der Renaissance gewiss förderndeAnregung durch Dante erhalten hatten, dessen Tiere, Panther,Löwe und Wölfin( Hölle I), sicherlich sündhafte Leidenschaftenbedeuten, und der auch, allerdings weit selbständiger und freier,seine Sünder in Hölle und Fegefeuer nach der Art ihrer Ver-brechen und Vergehen in eine grosse Zahl von Gruppen ordnet.

Wie die bildende Kunst brachte schon früh auch dieLitteratur die körperlichen Gestalten der Laster in Beziehungzum Teufel. Dieser ist ja schon an sich das Ideal allerBosheit, in ihm konzentriert sich alles Niedrige und Gemeine,und in der Körperlichkeit, in welcher er trotz seiner Geister-natur stets aufgefasst wurde, stellte er eine Personifikationder Summe alles Schlechten dar. Nun wurden die inkarniertenAbstrakta seine Untergebenen, Mitglieder seines höllischenGesindes. Schon bei Tertullian 2) und Prudentius ³)spielt er im Kampf gegen die Tugenden eine Rolle, die ernun in der deutschen Litteratur siegreich behauptet. AlsAnführer der Laster erscheint er in Heinrich von MelksPriesterleben V. 38-48; er treibt sein Wesen in der Parabel,, Der geistliche Streit" 4), er ist die Hauptfigur in dem

1) cf. Meyer a. a. O. Geigers Vierteljahrsschrift I, 162 ff.,356 ff., 409 ff.

2) lib. III adv. Marcion. C. XIV Migne 2, 340. cf. Raab S. 25.3) Hamartignia V. 389-447.

4) Pfeiffers Altdeutsch. Übungsbuch S. 144-152.