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OSBORN
wenn sie Tugenden und Laster darstellen wollte. So erscheinendie in der alten heiligen Siebenzahl gebildeten Kardinal-tugenden: fides, caritas, spes in Bezug auf Gott, und prudentia,justitia, fortitudo, temperantia in Bezug auf das Verhalten zuden Menschen, und ihnen gegenüber die in gleicher Zahl auf-tretenden Hauptlaster, die Todsünden: Hoffart, Geiz, Neid,Unkeuschheit, Frass und Völlerei, Zorn, Trägheit, beide Gruppenmit geringen Abänderungen, auf den kirchlichen Gemälden.
Als menschliche Gestalten malte der Altmeister deritalienischen Kunst, Giotto, die sieben Laster: Verzweiflung,Neid, Unglaube, Ungerechtigkeit, Zorn, Unbeständigkeit,Dummheit ¹) Auf einem Teppich im Fürstensaal zu Regens-burg, der dem Ende des 14. Jahrhunderts angehört, ist eswieder eine andere Zusammenstellung; zum Kampfe gegendie von Engeln geschützten Tugenden stürmen die Laster an,jedes auf einem Thier sitzend, dessen Charakter seinem Wesenentspricht: der Stolz auf einem Rosse, der Zorn auf einemEber, die Unkeuschheit auf einem Bären, die Unstetigkeit aufeinem Esel, die Gefrässigkeit auf dem Fuchs, der Geiz aufdem Wolf, der Hass auf dem Drachen 2). Auch andere Tieregelten als Attribute der Todsünden 3), oder sie erscheinenselbst als Tiere: der Fuchs z. B. als Sinnbild der Arglist,der Tiger für die Grausamkeit, der Affe an Stelle der Scham-losigkeit 4). In der Kirche des Klosters de la Prosesa inMexiko ist Satan umgeben von folgender Siebenzahl 5): Kröte,Schlange, Bock, Tiger, Schildkröte, Pfau und Schweinoffenbar Repräsentanten der Hauptlaster. Vasari malte inder Kuppel des Domes zu Florenz die sieben Laster, diedort von den Engelchören besiegt werden, als Tiere: den Neid
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1) Wolfgang Menzel, Christliche Symbolik( Regensburg 1854)II, 11 ff..
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2) Kunstblatt 1846, Nr. 41. S. 166.
3) Hierfür war in der Bibel, und zwar Jeremias Kap. 5. V. 6,der erste Anstoss gegeben.
4) Belege bei Menzel a. a. O. S. 12.
5) Das Ausland. 1838. N. 23. S. 95.