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OSBORN
Hauptsächlich erschien er naturgemäss da auf dem Plan,wo das volkstümliche Element besonders stark vertreten war,und als dies nach dem Verfall der mittelalterlichen Litteraturimmer mächtiger in den Vordergrund trat, gelangte derHöllenfürst mit seinen Scharen zu einer immer grösserenBedeutung.
Die Ketzer, die allmählich in stets wachsender Zahl ihrHaupt gegen die Weltkirche erhoben, erschienen dem recht-gläubigen Katholiken als Diener des Teufels; ebenso auf deranderen Seite der üppige, weltliche Pfaffe, der seinen geist-lichen Wirkungskreis allzu offen überschritt; der unbarmherzige,ungerechte Richter wurde in der Auffassung der Menge einguter Bekannter des Satan ¹). Zahllose Schnurren und Anek-doten, die im Volke umliefen, berichteten von seltsamen Ge-schichten, bei denen Junker Volant beteiligt war. Wichtigaber ward er ganz besonders für die Gestaltung dergeistlichen Spiele, nachdem man bereits im 13. Jahrhundertin Wien durch den ersten Versuch mit der Einflechtung vonTeufelsszenen die Wirksamkeit der neuen Figuren erprobthatte 2). Hier wird er bald unentbehrlich; er erscheint alsRebell gegen die Gottheit, als Verführer, als Rächer der Sündeund, nach dem Muster der französischen„ Diableries" 3), nichtzum mindesten als lustige Person. Durch diese letztere Eigen-schaft wiederum hatte er sich in kurzem auch eine Rolle imälteren Fastnachtspiel erobert, die er dauernd behauptete.
Die Glanzzeit aber für Satans litterarische Bedeutungward das Jahrhundert der Reformation, wo man, wie Goethein der Litteratur des Mittelalters".( 1884), welche ihr Thema ziemlichäusserlich behandelt, hat auch in den Grenzen, welche sie sich zog, dieUntersuchung keineswegs zum Abschluss gebracht.
1) cf. etwa Lassbergs Liedersaal II, 143; 349.
2) cf. Ludwig Wirth, Die Oster- und Passionsspiele bis zum16. Jahrhundert. Halle a. S. 1889. S. 186 f.
3) Mone, Schauspiele des Ma. II, 27. Flögel- Ebeling,Geschichte des Grotesk- komischen 5.( 1888) S. 70 ff. Weinhold, Überdas Komische im altdeutsch. Schauspiel in Gosches Jahrbuch für Litt.Gesch. I, 1 ff.